Man kann die Geschichte von Edwin Kohl auf zwei Arten erzählen. Da ist einmal die von Kohl als Robin Hood der Gegenwart. Ein Mann, der den Reichen nimmt, um Armen und Kranken zu geben. Diese Version wäre Robin - pardon, Edwin Kohl vermutlich am liebsten. Und wahrscheinlich wären die Patienten, denen er Medikamente mit Rabatt besorgt, ganz seiner Meinung. Und erst recht die Krankenkassen. Dank Kohl & Co können die gesetzlichen Kassen nach Schätzung der AOK pro Jahr bis zu 450 Millionen Euro Arznei-Ausgaben sparen.

Die Methode ist einfach: Kohl kann Apotheken in Deutschland günstig beliefern, weil er Medizin in Frankreich, Portugal oder Griechenland einkauft. Die Pillen sind überall die gleichen, doch die Preise unterscheiden sich gewaltig. Sogar bei Arzneien deutscher Hersteller wie Bayer oder Schering lohnt sich der Re-Import, der Zickzack über den Kontinent.

Pharma-Manager erzählen die Geschichte allerdings ganz anders. Für sie ist jeder Re-Importeur Robin Hood in eigener Sache, einer, der nur sich selbst bereichern will. Branchenführer Edwin Kohl gilt ihnen gar als der König der Diebe. Die Strategie der Multis zielt darauf, in jedem Land den höchstmöglichen Preis und insgesamt den maximalen Umsatz herauszuholen. Kohl unterminiert diese Politik - dafür hassen sie ihn. Mit gutem Grund: Von 291 Millionen Euro im Jahr 2000 stieg sein Umsatz auf 514 Millionen Euro in 2001.

Im April dieses Jahres verkaufte Kohlpharma aus Merzig im Saarland mehr Arzneien an deutsche Apotheken als jedes andere Unternehmen - zum Ärger des Herstellers Aventis, der die Umsatzstatistik normalerweise anführt.

Nun eskaliert der Streit zwischen Herstellern und Re-Importeuren. Grund ist der Sparkurs von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: Im Frühjahr mussten sich die Apotheken gegenüber den Kassen verpflichten, 5,5 Prozent ihrer Umsätze mit Importarzneien zu bestreiten. Im kommenden Jahr sollen es sogar 7 Prozent sein.

Nach Meinung von Kohl hinkt diese Regel zwar der Realität hinterher, da die Quote jeweils schon im Vorfeld überschritten wurde. Die Hersteller jedoch ärgern sich über die Sanktionierung der Importe: "Eine Lizenz zum Gelddrucken", schimpft Thomas Werner, Deutschland-Chef des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline, über die Umsatzgarantie für die Re-Importeure.

Glaxo wehrt sich mit einem eigenen Quotensystem: Billigländer werden nur noch restriktiv beliefert. Spanische und portugiesische Großhändler sollen nicht mehr Pillen vorrätig haben, als auf der iberischen Halbinsel geschluckt werden. Glaxos Versuch, Grossisten auf gespaltene Preise mit einem Aufschlag für deutsche Re-Importeure einzuschwören, vereitelte die EU-Kommission.