Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Umkehrsatz ist genauso richtig - mithin: Rot-Grün brilliert auf der Bühne der Inkompetenz nicht nur, weil die Koalition zwischen Autismus und Aktionismus hin- und herzuckt, sondern auch, weil der Konkurrent von der Union ähnlich erbärmlich dasteht.

Die Union erinnert an den Marktschreier, der nicht die eigenen Produkte anpreist, sondern bloß die von nebenan mies macht: Rentendebakel, Steuern rauf/runter, "Wahlbetrug", Verteuerung von Arbeit mitten im Abschwung. Das ist das gute Recht, auch die Pflicht der Opposition. Doch hat die CDU/CSU aus ihrer Wahlniederlage nichts gelernt. Auch Merkel tanzt den Stoiber. Auch sie wähnt, dass man die Regierung bloß vor sich hertreiben müsse, damit sie japsend in sich zusammenbricht.

So aber treibt man den Kunden nicht in den eigenen Laden. Denn dessen Auslage ist leer beziehungsweise hübsch verhüllt. Und das vier Jahre lang? Nur Worthülsen zum Arbeitsmarkt, zur sozialen Sicherung, Außenpolitik, Mehrung des Humankapitals (vulgo: Bildung)?

Die Kunden sind zu Recht wütend auf Rot-Grün, aber ihr Zynismuspegel steigt noch schneller als die Arbeitslosigkeit, wenn sie auf dem Markt nur zwischen zwei Sorten von Inkompetenz wählen dürfen. Offensichtlich gilt auch dieser Satz: Je unfähiger die Regierung, desto schlechter die Opposition.

Und umgekehrt: Würde die Union Rot-Grün nicht nur vor sich her-, sondern auch antreiben, und zwar mit einem besseren Angebot, stünde das Land heute besser da. Übrigens: Der Untersuchungsausschuss "Wahlbetrug" ist keine schlechte Idee. Er wird künftig - Prinzip Abschreckung - auch eine Unionsregierung zur Wahrheitspflege ermuntern. Josef Joffe