Tanz den Vietnamkrieg - die jüngere Vergangenheit Amerikas ist am Broadway wieder Thema. Der Popstar und Songwriter Billy Joel hat Movin' Out auf die Bühne gebracht (Richard-Rogers-Theater, 226 West 46th Street, New York). Es ist ein Musical ohne gesprochenen Text, allein Joels Songs tragen die Handlung. Es geht um drei junge Männer, Tony, James und Eddie, die nach der Highschool direkt nach Vietnam geschickt wurden. Die Choreografin Twyla Tharp hat Movin' Out als Tanzfeuerwerk inszeniert, im Stil ungefähr zwischen dem fröhlichen Abba-Musical Mamma Mia und dem düsteren Susan-Stroman-Drama Contact angesiedelt, die beide ebenfalls Songs zu Motoren der Handlung machen. Allerdings: So ganz ohne Textbuch ist man bei Movin' Out doch ein wenig verloren. Immerhin klingen Billy Joels Songs für Broadway-Verhältnisse erstaunlich gegenwärtig. Die Story ist altbekannt (und wurde in Filmen wie Fourth of July oder Deer Hunter schon besser aufbereitet): James stirbt in Vietnam, Eddie und Tony kommen wieder. Aber sie sind verstört und drogengeschädigt, und es dauert bis zum zweiten Akt, bis Brenda und Judy, ihre Freundinnen, die beiden emotional erreichen und in die Gegenwart zurückholen können. Die Handlung springt rasant von den sechziger Jahren in Long Island, wo die Studenten am Strand um ihren Straßenkreuzer herum sitzen, in den Dschungel - und die Bordelle - von Vietnam und schließlich zurück in ein wildes, verändertes New York der Drogen und der psychedelischen Discos.

Vietnam ist dabei nur die Kulisse für das Seelendrama der Amerikaner. Rika Okamoto ist die einzige Vietnamesin auf der Bühne, und sie darf nur Nebenfiguren spielen: Erst tritt sie als Zwangsprostituierte auf, dann als Dschungelkämpferin. Beide Wesen stellen enorme Bedrohungen für weiße amerikanische Jungs dar. Der eigentliche Star aber ist Michael Cavanaugh, der am Flügel, auf offener Bühne, die rasenden Tänzer begleitet - so gut, als spielte Billy Joel selbst.