In Deutschland gibt es schätzungsweise 700 000 Schüler muslimischen Glaubens. Einen regulären islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache unter staatlicher Aufsicht können sie bislang nicht besuchen. Es fehle am politischen Willen, sagen die muslimischen Verbände. Es fehle ein Ansprechpartner auf muslimischer Seite, sagen die Behörden. Laut Verfassung gilt das Recht auf Religionsunterricht für alle Glaubensrichtungen - allerdings nur dann, wenn es sich dabei um anerkannte Religionsgemeinschaften handelt. Die sollten organisiert sein wie christliche Kirchen. Daran haperte es bislang, denn den Islam gibt es nicht, und kirchenähnliche Strukturen kennen die Muslime nicht. Seit Jahren müssen sie mit Notlösungen auskommen.

So gibt es religiöse Unterweisung im Rahmen eines freiwilligen "muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts", beispielsweise in Baden-Württemberg, Bremen oder Schleswig-Holstein. Dieser Unterricht findet unter der Regie türkischer Konsulate statt, die Lehrer kommen aus der Türkei.

Auch in Bayern unterrichten türkische Lehrer.

Sonderfall Berlin: Anders als in den anderen Bundesländern ist dort der Religionsunterricht ausschließlich Sache der Religionsgemeinschaften. So erstritt sich die Islamische Föderation das Recht, in öffentlichen Schulen zu unterrichten. Das Problem: Der Föderation werden Verbindungen zu Milli Görüs nachgesagt, und diese Vereinigung wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet.

An manchen Orten tut sich was. Die Universität Münster will nun als erste deutsche Hochschule Lehrer für den Islamunterricht ausbilden. In Nordrhein-Westfalen läuft der Schulversuch "Islamische Unterweisung in deutscher Sprache" bereits seit 1999, dieses Jahr soll er auf über 50 Schulen ausgeweitet werden. Diese Unterweisung zählt genauso wie der katholische oder evangelische Religionsunterricht mit zur Versetzung. Auch in Bayern gibt es seit 2001 an fünf Grundschulen eine "islamische religiöse Unterweisung in deutscher Sprache". Dabei handelt es sich ebenfalls um Islamkunde, nicht um bekenntnisorientierten Religionsunterricht.