Im vergangenen Jahr stellten Polizei und Zoll in Deutschland 836 Kilogramm Heroin sicher. Etwa 70 bis 90 Prozent davon, so vermutet das Bundeskriminalamt (BKA), kamen ursprünglich aus Afghanistan. Die Risiken, die Schmuggler eingehen, lohnen sich: Ein Kilogramm Heroin kostet an der tadschikischen Grenze zu Afghanistan noch umgerechnet 3000 Euro. Auf der langen Reise steigt der Preis um ein Vielfaches. Bis zu 100 000 Euro kassieren Dealer in Deutschland für ein Kilo.

Noch vor wenigen Jahren gelangte das meiste afghanische Heroin und Opium in die übrigen Länder des sogenannten Goldenen Halbmonds, nach Pakistan und in den Iran. Von der pakistanischen Hafenmetropole Karatschi aus wurde es meist auf Schiffen weiter nach Europa transportiert. Aus dem Iran schmuggelten Lkw-Fahrer das Rauschgift durch die Türkei über die Balkanländer Bulgarien, Albanien und die ehemaligen jugoslawischen Republiken nach Westeuropa. Das Geschäft auf der Balkanroute kontrollieren bis heute türkische und albanische Banden.

Allerdings haben die ehemaligen Transitländer Pakistan und Iran mittlerweile selber mit katastrophalen Drogenproblemen zu kämpfen. Mehrere Millionen Menschen sind rauschgiftabhängig geworden, Zehntausende sterben jedes Jahr.

In keinem Land der Erde gibt es, nach Angaben der UN, mehr Süchtige, gemessen an der Gesamtbevölkerung, als im Iran.

Als Konsequenz haben die Regierungen in Islamabad und Teheran ihre Kontrollen an den Grenzen zu Afghanistan erheblich verschärft. Die Schmugglerbanden sind daher ausgewichen, auf die sogenannte Seidenroute durch Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Dort geben poröse Grenzen und unterbezahlte, korrupte Sicherheitskräfte ideale Bedingungen für einen ungestörten Drogenverkehr ab.

Die Route ist benannt nach der Großen Seidenstraße, auf der im Mittelalter Händlerkarawanen von Asien nach Europa zogen. Sie beginnt in Tadschikistan.

Zwar sollen mehr als 20 000 russische Truppen und Grenzsoldaten die zentralasiatische Republik nach einem verheerenden Bürgerkrieg wieder stabilisieren. Doch Chaos und Korruption begünstigen kriminelle Aktivitäten weiterhin. Afghanische Drogen gelangen auf zwei Wegen nach Russland: entweder über Duschanbe und Usbekistan oder über den Pamir-Highway und die kirgisische Stadt Osh, dem Hauptumschlagplatz für Heroin in Zentralasien.