Maja Kilgore kann sich so richtig in Begeisterung reden. Wenn sie erzählt, was sie und ihr Mann Thomas alles vorhaben, dann funkeln ihre Augen, dann spricht sie ganz schnell. Die Schleppjagd. Den venezianischen Karneval. Das Musikfestival. Die Kunstauktion. Und die Hochzeiten. Hochzeiten (geheiratet wird in der hauseigenen Karolinenkapelle) arrangiert sie bis ins kleinste Detail. Verschickt sogar die Einladungen, wenn’s gewünscht wird. Seit Anfang des Jahres leiten die beiden jungen Direktoren (30 und 29) das vor kurzem in die illustre Relais & Chateaux-Vereinigung aufgenommene Hotel Burg Schlitz im mecklenburgischen Hohen Demzin.

Burg Schlitz hat Stil, ist elegant, frei von neureichem Protz. Das allerdings liegt ausgerechnet an der Mast-Jägermeister AG. Die hatte 1992 den klassizistischen Bau erworben und mehr als 30 Millionen Euro in die Umgestaltung der zuletzt als Alten- und Pflegeheim genutzten Immobilie gesteckt. Der Lübecker Architekt Helmut Riemann zauberte ein Hotel im Stil eines edlen Herrenhauses. 14 Zimmer, 6 Suiten, viel Platz, Holzböden, die Möbel sachlich-schlicht mit Biedermeieranklang, gefertigt in den Deutschen Werkstätten Hellerau, schwere Vorhänge, kein überflüssiger Tand, die Bäder geräumig.

Da hätte sich auch Hans Graf Schlitz wohl gefühlt, der Erbauer. 1824 weihte er sein Schloss offiziell ein. Zur dreiflügeligen Anlage führt standesgemäß eine breite Lindenallee. Das runde Entree, die Säulen, die bemalten Tapeten, die repräsentativen Räume im Erdgeschoss entlocken dem Gast dezente Seufzer des Entzückens. Zur Vervollkommnung des Schinkelsaals lieferte der berühmte Baumeister die Entwürfe zu den beiden Kachelöfen. Die Tapeten – blühende Landschaften, die Kasettendecke – bewundernswert. Ein Saal perfekt für ernste Diskussionen und beschwingte Konzerte.

Zur Tafel gebeten wird im zwei Stockwerke hohen neogotischen Rittersaal. Unter Adelswappen, wohltuend sanfter Berieselung von Telemann, Händel und Mozart und im Schein weißer Kirchenkerzen tragen junge, noch ein bisschen verlegene Serviererinnen auf. Thomas Kilgores Brigade kocht mit Produkten der Region, bisweilen aber kreuzt sich auf dem Teller Asiatisches mit einer Saiblingvariation oder liegt eine Frühlingsrolle neben einem Tässchen feiner Kartoffelsuppe. Die Kilgores haben zuvor vier Jahre lang ein Hotel auf Bali gemanagt. Doch das Reh wird von heimischen Jägern geschossen, die Pilze sammelt ein Hotelangestellter. Im Luisensee des Schlossparks zappeln schon ein paar Flusskrebse, Begründer einer hoteleigenen Zucht.

Der Schlosspark umfasst 138 Hektar. Weite Wiesenflächen, dunkle Wälder, ab und an der Blick auf eine sanft hügelige Szenerie, der ein hochherrschaftlicher Schlossbesucher im 19. Jahrhundert den Namen Mecklenburgische Schweiz verlieh. Spazieren, eins der 36 kleinen Monumente im Park entdecken, entspannen, eine Kutschfahrt machen, Ruhe tanken, umgeben von viel Landschaft, zwei Autostunden von Berlin, gut zweieinhalb von Hamburg entfernt. Von Rostock aus sind es 45 Kilometer. Und weil es jetzt eine Flugverbindung aus München gibt, hofft Maja Kilgore nun auch auf Gäste aus dem Süden.

Das Weihnachtsprogramm hat sie längst arrangiert, zur nächsten Jagd wird Anfang Dezember geblasen, und ein paar Tage später will sie ein kleines Spa eröffnen im Zeichen des Ginkgoblatts: Ein 180 Jahre alter Baum steht versteckt im Park. Und dann träumt sie noch von einer kleinen Boutique. Nur feinste Label. Burg Schlitz verpflichtet.

Schlosshotel Burg Schlitz, 17166 Hohen Demzin, Tel. 03996/12700, Fax 127070, Internet: www.burg-schlitz.de, EZ ab 160, DZ ab 210, Suiten ab 250 Euro. Drei-Gänge-Menü 39, sieben Gänge 79 Euro. Tagungsräume und Helikopterlandeplatz vorhanden. Zahlreiche Arrangements