Wir sind eine Firma, die ununterbrochen Rechnungen schreibt, alle 180 Sekunden, tagein, tagaus", sagt der Mann stolz. Ist er Händler, Vertreter, Verkäufer? Nicht ganz. Obwohl er auch vertritt, handelt und verkauft. Der Mann ist PR-Berater. Er nennt sich "Dämon dieses Sommers" - und fühlt sich damit weit unterschätzt.

Es ist Moritz Hunzinger, der spricht. Eingeladen vom feinen Hamburger PR-Club, soll er eigentlich über "Die Zukunft der PR" referieren. Doch der Mann muss erst noch allerhand loswerden. Zur Erinnerung: Hunzinger, das war der Mann, der Rudolf Scharping aufpolieren wollte, mit Planschbildern vom Pool und Anzügen aus der Nobelboutique. Der Verteidigungsminister musste gehen, und auch ein grüner Bundestagsabgeordneter, der zu Hunzingers Mandanten zählte, stolperte.

Was für jeden anderen PR-Berater der berufliche GAU gewesen wäre, Hunzinger nahm alles entspannt. Er schwärmt auch an diesem Abend zuerst von den goldenen Zeiten. Wie er die Hunzinger Information AG 1998 an die Börse führte und wie die Aktie dann dreifach überzeichnet war, wie er 50 Prozent davon gleich wieder verkaufte und "sich meine wirtschaftliche Situation von einem Tag auf den anderen schlagartig optimierte". Dumm nur, dass die Aktie, die von 110 auf 386 Mark gesprungen war, inzwischen auf weniger als fünf Euro abgestürzt ist. Die Zuhörer, überwiegend Berufskollegen, wollen etwas anderes wissen. Was er denn glaube, falsch gemacht zu haben? Ob er eigentlich begreife, wie sehr er der Demokratie geschadet habe? Und: Wann er die PR-Branche verlassen wolle?

Nix da. Hunzinger steht am Pult, das rechte Bein nach außen abgewinkelt wie eine Ballerina, und spricht. Stets im Plural. Wir ändern nichts, sagt er. Das System sei in Ordnung. Wir machen alles wie immer. Die Kollegen im Saal sind fassungslos. Was war mit dem Vorwurf der Korruption? Hunzinger redet sich in Rage. Mit "dem Ströbele" habe er über "die Akten" geredet. Gemeint sind die Unterlagen des jüngsten Untersuchungsausschusses. Er hätte seinen, Hunzingers, Namen darin zigmal gefunden, habe ihm der grüne Abgeordnete gesagt. Im Zusammenhang mit dem Thyssen-Panzergeschäft.

"Der Ströbele", lacht Hunzinger auf, "der weiß gar nicht, dass Thyssen keine Panzer baut. Was sollen Sie da machen mit so einem Holzkopf?" Wie, fragt einer dazwischen, Thyssen baut keine Panzer? Ich weiß doch, kräht Hunzinger, "dass Thyssen diese Autos nicht baut, Sie Weltraumpräsident"! Das war zu viel, einige Ältere verlassen den Saal. Die anderen bleiben, kopfschüttelnd.