Die Wirklichkeit, ist sie so, wie sie ist, weil sie einfach so ist, wie sie ist, oder ist sie nur so, wie sie ist, weil wir glauben, dass sie so sei?

Darum dreht es sich, einfach gesagt, beim Konstruktivismus, einem noch viel zu selten auf wirtschaftliche Phänomene bezogenen Denkansatz. Das ging uns neulich beim Mittagessen durch den Kopf.

Es war noch einmal warm geworden in diesem Herbst, fast spätsommerlich. Das wollten wir genießen und uns vor einem unserer Lieblingslokale in die Sonne setzen. Doch draußen war kein Tisch mehr frei. Also nahmen wir, schicksalsergeben, drinnen im Halbdunkeln Platz. Auf der Speisekarte standen, unter anderem, Salat mit Pfifferlingen und Salat mit Putenbruststreifen.

Jeder von uns wollte beides, Pilze und Federvieh, in seinem Salat. Aber - geht denn das?

Sicher nicht, dachten wir. Und erinnerten uns an eine amerikanische Kollegin, die in einem deutschen Zugrestaurant auf der Karte halbe Brötchen mit Käse und halbe mit Schinken fand und, als sie ein Käse-Schinken-Brötchen bestellte, empört zurückgewiesen wurde. "Das gibt's hier nicht!", war alles, was sie zu hören bekam. "That's Germany", war alles, was sie uns später dazu sagte - mit dieser leichten Überheblichkeit der neuen Welt.

Sind Verkäufer und Kellner noch die Könige?

Und unsereins? Wer damit aufgewachsen ist, dass Kellner ihn mit "Draußen servieren wir nur Kännchen!" in die Schranken weisen, der hat irgendwann schon das Kännchen im Kopf und wagt gar nicht mehr zu fragen. Im Angesicht unserer extravaganten Speisegelüste erwähnten wir der Kellnerin gegenüber nur zaghaft, dass es schön wäre, wenn der Salat vielleicht beides hätte, Pilz und Pute, und boten die Überlegung an, dass ja auch jeder von uns einen der beiden Salattypen bestellen und wir dann anschließend selbst am Tisch mischen ... "Aber das ist doch überhaupt kein Problem", unterbrach die Kellnerin ebenso knapp wie freundlich.