Die Popularität von Sushi haben Mangas bei uns noch nicht erreicht. Dass es Comics gibt, die von rechts nach links zu lesen sind, fernab sprechender Enten und gedopter Hinkelstein-Lieferanten, hat sich jedoch herumgesprochen.

In Japan haben die gezeichneten Geschichten eine lange Tradition, die Hausfrau liest sie und der Manager, 40 Prozent aller Druckerzeugnisse machen sie aus. Jetzt wird Manga. Die Welt der japanischen Comics in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt (bis zum 5. Januar 2003) - zumindest ein kleiner Ausschnitt dieser Welt. Schnell durchschritten sind die Räume mit Altbekanntem: Plakaten von Akira und Dragon Ball, Modellen insektenähnlicher Roboter und japanischer Kampf-Barbies mit draller Oberweite, kaum was an und gezückter Pistole. Die Vielfalt des Genres zeigen erst die Mangas, die jenseits dieser Sex-and-Crime-Klischee-Räume an der Wand hängen. Da bleibt er stehen, der eurozentrische, nach schnellen Gags und spannenden Storys gierende Besucher, und staunt, wie unsexy, langweilig und humorlos manche Geschichten daherkommen. Ein Beispiel: Der Nachtflug von Tamura Shigeru. Ein Kaktus steigt eines Nachts aus seinem Topf, trinkt einen Tequila, setzt sich in den nächsten Flieger nach Cactus City, fährt mit dem Taxi ins Hotel und meint: "Hätte ich doch die Flasche Tequila mitgenommen." Ende. Ähnlich aufregend ist Kauf einer Sonnenblende aus Schilfrohr von Taniguchi Jir': Ein Mann kauft im Baumarkt eine Sonnenblende, schleppt sie durch die Stadt, schwitzt tierisch, kommt zu Hause an - und sitzt im letzten Bild glücklich mit Frau und Hund im Schatten der neuen Sonnenblende. Danach ist der abendländisch geprägte Leser froh, wenn er zu dem Raum vorgedrungen ist, in dem die Werke von Jürgen Seebeck hängen, einem Hamburger Künstler, der sich auf dem japanischen Markt etabliert hat: In seinen Mangas fließt wenigstens ordentlich Blut.