Die Aufmerksamkeit der ZEIT wäre noch fürsorglicher, wenn sie in der Münchner Berufungsangelegenheit ihre Informationen nicht nur einseitig einholen würde. Ich hätte die absurde Interpretation eines Gespräches mit dem damaligen Dekan Wagner leicht zurechtrücken können: Zum einen in der Intention, denn es ging dem Dekan nicht um Fürsorge, sondern um Druck

zöge ich nicht zurück, werde mein guter Ruf zerstört. Zum anderen in der Sache, denn gäbe es "höheres Drängen", hätte Herr W. nicht mein Vertrauen, ihm davon zu berichten. Mir genügten Erwartungshaltungen eines wichtigen Teils der akademischen Öffentlichkeit und des Instituts, um mich persönlich und hochschulpolitisch verpflichtet zu fühlen. Von den vier Ordinarien am Geschwister-Scholl-Institut unterstützten letztlich drei meine Berufung.

Dagegen stemmte sich einer (der bei jeder Erwähnung politischer Protektion Anlass hat zu verstummen) sowie zwei C-3-Professoren, die ihrem 25jährigen Dienstjubiläum auf dieser Position entgegensehen, ohne je den Ruf auf einen Lehrstuhl gehört zu haben.

Mein Ruf nach München war der insgesamt sechste in meiner Karriere, die ihren Anfang und wichtige Stationen außerhalb Bayerns hat. Amigos überall?

Ausweislich der Akten hat Herr Wagner dem Minister im Fall meiner Berufung eine Amigo-Affäre angedroht. Dann inszenierte er sie, gemeinsam mit Herrn Weidenfeld: wahrhaft Münchner Provinztheater. Der negative Beschluss des Verwaltungsgerichts, so falsch er mir auch substanziell erscheint, ist dagegen reine rationale Labsal.

Meinen systemvergleichenden und theorieorientierten Probevortrag kann man demnächst nachlesen. Vielleicht verstehen ihn dann die beiden Herren besser, die in der lebhaften und interessanten Diskussion ihre Kompetenz hinter undurchdringlichem Schweigen verbargen.

"Kläglich" wurde die Veranstaltung im nichtöffentlichen Gespräch mit der Berufungskommission angesichts so niveauvoller Fragen wie der nach der Zahl meiner bisherigen Assistenten weiblichen Geschlechts, mit der offenbar die Aufgeschlossenheit zur Förderung von Frauen getestet werden sollte. Bei derartigen Höhenflügen verfalle ich regelmäßig in sprachknappen Zynismus.