Wenn es in der Presse um Hunger und Elend in Afrika geht, ist es fast ein Sport geworden, zuerst auf die afrikanischen Regierungen zu zielen: unfähig, korrupt, repressiv

und dann nimmt man sich die Hilfsorganisationen vor: inkompetente Helfer mit Eigeninteressen, die noch mehr Abhängigkeit und Unheil schaffen.

Dieser Logik folgt leider auch Herr Grill. Aber sie enthält eben nur die halbe Wahrheit. Der Maisverkauf aus den staatlichen Lagern Malawis war auch direktes Ergebnis von IWF-Auflagen Ende 2000 für Schuldenerlass und neue Kredite: Privatisierung des staatlichen Agrarhandels, Freigabe der bisher subventionierten Maispreise und schneller Verkauf von 60 000 Tonnen "überschüssiger" Maisreserven. Die EU, nach den USA der zweitgrößte Geber von Nahrungsmittelhilfen und deren heftiger Konkurrent auf dem Weltmarkt, trägt ebenso wie die USA mit ihren "Geschenken" und subventionierten Agrarexporten dazu bei, die lokale Landwirtschaft und Eigenversorgung in den ärmeren Ländern zu zerstören. Obwohl Malawi ein klassisches Agrarland ist, hat es seit 1994 von der Weltbank keinen einzigen Entwicklungskredit für die Landwirtschaft bekommen. Stattdessen werden vor allem solche Programme gefördert, die der wirtschaftlichen Liberalisierung dienen, nach der Devise "Fit machen für den freien Weltmarkt", der es schon richten wird - auch die Bekämpfung von Armut und Hunger.

Leider kommen die weniger bekannten Hintergründe über die Ursachen der Hungerkatastrophe in dem Artikel viel zu kurz. Auch wird übersehen, dass die Hilfsorganisationen nicht die großen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger sind. Gerade weil wir in unserer humanitären Hilfe nicht nur auf unmittelbare Hilfe zum Überleben ausgerichtet sind, sondern immer Aspekte der Ursachenbekämpfung miteinbeziehen, drängen wir auch auf längerfristige Anstrengungen zur Selbsthilfe und Verbesserung der nationalen Nahrungsmittelversorgung und -vorsorge.

Jürgen Lieser, Caritas international Hannelore Hensle, Freiburg Diakonie Katastrophenhilfe