Vieles Richtige wird in Ihrem Artikel benannt: "Immer weniger Erwerbstätige müssen immer höhere Beiträge zahlen." Warum entkoppeln wir dann nicht Lohnarbeit und Krankenkassenbeiträge durch ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem?

Den verwaltungstechnischen Irrsinn und Luxus von 580 Krankenkassen leistet sich kein anderes europäisches Land. Da die Versorgungsverpflichtung der Ärzte für alle Patienten inhaltlich dieselbe ist, würde eine einzige Krankenkasse mit einer zentralen Verwaltung völlig ausreichen.

Als Hausarzt, der seine breit gefächerte Ausbildung in Großbritannien absolvieren durfte, warne ich allerdings davor, Fachärzte im ambulanten Bereich zu reduzieren und die fachärztliche Versorgung dem Krankenhaus zu überlassen: Dies würde wie in England zu Wartezeiten von bis zu zwei Jahren führen, wo der eine oder andere Patient wartend stirbt. Ein sicherlich preiswerter, aber menschenverachtender Vorschlag.

Bei allem Zwang zu mehr Sparsamkeit und mehr Effizienz sollten wir nicht ausgerechnet die Strukturen zerstören, die die beste Versorgung der Menschen in Europa garantiert. Verbessern könnte man die Kooperation zwischen Fach- und Hausärzten durch Versorgungsnetze, die Doppeltuntersuchungen sowie unnötige und teure stationäre Behandlungsmaßnahmen vermeiden helfen würden.

Darüber hinaus könnte man die Kommunikationsstrukturen zwischen ambulantem und stationärem Sektor verbessern, um Liegezeiten in den Krankenhäusern zu verkürzen. Eine so verstandende integrierte Versorgung benötigte auch kombinierte Finanztöpfe aus den bisher finanziell getrennten Bereichen, mit der Maßgabe: so viel ambulant wie möglich, wenn verantwortbar und finanzierbar.

Dr. med. Charles Woyth Berlin

Die Probleme im Gesundheitswesen sind nicht das Ergebnis aus Pharma-Müllbergen und Dreifach-Röntgenaufnahmen, sondern einer fehlgelaufenen Strukturentwicklung, deren Ursache der Patient überwiegend selbst ist. Die Deutschen haben sich vom gesellschaftsfähigen Wesen hin zum Homo oeconomicus in einer "Raffgesellschaft" verwandelt, die eine Optimierung der eigenen Vorteile aus dem Angebot unseres Gemeinwesens auf Kosten der Allgemeinheit anstrebt, im Sinne von "Ich nehme, was ich bekommen kann, ich habe einen Anspruch darauf". So muss ein sozial geplantes Netzwerk, welches im Stillen voraussetzt, dass eine Leistung nur dann angenommen wird, wenn sie auch wirklich benötigt wird, scheitern.