Die Oder: o ja. Die Elbe, auch nicht schlecht. Die Weser dann, der Main, die Donau - warum nicht? Aber der Rhein, aber der Rhein ...

Hier ist alles Sage, hier ist alles Kunst und schwerst berauschte Lyrik, Musik, Geschichte, Industrie. Der Rhein, wie er gleitet und glitzert - immer scheint da etwas im Trüben zu leuchten, vom Grund herauf -, wie er sich dreht und wendet und seufzt und dröhnt und lügt. Der Rhein beeindruckt nicht, nicht wirklich (nicht einmal der Rheinfall von Schaffhausen). Der Rhein bezaubert und verhext: das helle Schweizer Alpenflüsschen, der sanfte Oberrhein, die magischen Felsen zwischen Bingen und Koblenz, der Industriestrom, den keine Stahl-, Schweiß- & Kohlenromantik mehr verklärt, der melancholische Niederrhein zuletzt, in grandiosem Grau dem Meer, dem großen Tod entgegen.

In zwei Ausstellungen zeigte das Rheinische Landesmuseum in Bonn vor einigen Jahren die schönsten Rheinansichten. Jetzt haben Jürgen Wilhelm und der Direktor des Bonner Museums, Frank Günter Zehnder, das Konzentrat der Doppelschau in diesem exzellenten Band versammelt. Von Mainz bis Holland geht die Fahrt quer durch die Kunstgeschichte, und wir erfahren, wie Kölns Meister des Mittelalters ihn sahen, wie Merian, William Turner oder die jungen Rheinländer des 20. Jahrhunderts (Macke, Nauen, Ophey). Wie Anselm Kiefer ihn heute sieht. Oder der sanfte Meister der romantischen Sachlichkeit, Jürgen Schmitz, der malerisch und doch wie durchs Kameraauge noch einmal zurückblickt - auf den Rhein in seiner ganzen Kunst.

Jürgen Wilhelm/Frank Günter Zehnder:

Der Rhein. Bilder und Ansichten von Mainz bis Nijmegen

Greven Verlag, Köln 2002

222 S., Abb., 49,90 e