Wenn ich das Wort Luxus höre, spitze ich die Ohren, ob nicht ein Pawlowscher Hund das Wort Luxusrestaurant in die Nacht bellt. Für viele Leute ist ein Restaurant schon ein Luxusrestaurant, wenn dort ein Kellner nur für den Wein zuständig ist.

Dabei gibt es gar keine Luxusrestaurants. Es gibt teure und sehr teure Restaurants. Aber die sind nur teuer für diejenigen, die es sich nicht leisten können, für zwei Menüs plus Wein 500 Euro zu bezahlen. Deshalb ist es noch lange kein Luxus. Wenn man alles danach beurteilt, ob es bezahlbar ist oder nicht, begibt man sich auf das Niveau der von Oscar Wilde verhöhnten Pfennigfuchser.

In unserer Warenwelt trifft der Begriff Luxus nur wenige mit einem Preisschild versehene Produkte: Autos und Hotels stehen an erster Stelle. Bei Autos markieren acht Zylinder die Grenze zum Luxus, zwölf Zylinder sind zweifellos luxuriös. Von solchen Autos könnte man die Formel ableiten, dass Luxus nicht nur sehr teuer, sondern auch unnötig sei. Sicher ist nur, dass er Neid erregt.

Bei den Hotels rechnet man die so genannten Fünfsternehotels zur Luxusklasse. In diesen Häusern erlebt man ein Höchstmaß an Komfort und einen perfekt funktionierenden Service, der letztlich zum Komfort gehört. Doch wird sich schwerlich jemand finden lassen, der Service und Komfort für unnötig hält.

Das beginnt bei der Ankunft, wenn man mit dem Auto vorfährt. Da ist sofort jemand zur Stelle, der dem Gast die Autotür öffnet, den Wagen in die Garage fährt, das Gepäck auslädt und aufs Zimmer schaffen lässt. Und zwar, ohne viel zu fragen. Diese Arbeit wird von mehreren Angestellten erledigt, was den Gast nur insofern zu interessieren hat, als er das Trinkgeld entsprechend bemessen sollte.

Die Dicke der Teppiche, über die er sich fortan bewegt, die Stofftapeten, Kandelaber und Rokokosessel, die antiken Vitrinen mit den Preziosen und edlen Krawatten, deren Anblick er von nun an nicht mehr entkommt, gehören zu den selbstverständlichen Attributen eines Luxushotels. Die Dame am Empfang notiert, welche Tageszeitungen er morgens an seiner Tür vorfinden möchte, und händigt ihm seine vor ihm eingetroffenen Faxe aus, dann bringt ihn eine andere auf sein Zimmer. Es sind gepflegte, überwiegend hübsche Damen, adrett gekleidet und polyglott.

Die Zimmer im Luxushotel sind groß, oft größer als eine Suite in einem Hotel der Mittelklasse. Am auffälligsten ist der Klassenunterschied im Badezimmer. Sie haben nicht immer ein Fenster, aber auf jeden Fall eine getrennte Toilette und eine Extradusche. Wo man in die Badewanne klettern muss, um sich hinter einem Vorhang zu duschen, herrscht kein Luxus. Natürlich besitzen die Zimmer eine Klimaanlage, die man individuell ein- oder abschalten kann. Die Bilder an den Wänden sind kolorierte Stiche, alte Städteansichten oder Blumen, also völlig neutrale Dekorationsstücke, die niemandem wehtun (aber auch niemandem wirklich gefallen). Frische Blumen, ein Obstteller oder hausgemachte Pralinen sowie ein Brief des Direktors gehören zum Empfangsritual.

Meistens verfügen solche Hotels auch über ein nobles Restaurant. Doch sogar wenn dessen Küche berühmt ist, wird es kein Luxusrestaurant sein, weil dort jeder von der Straße hereinkommen und essen kann. Die Preise können aus wirtschaftlichen Gründen nicht unbegrenzt hoch sein, davor bewahrt den Gast der Konkurrenzkampf in der Gastronomie.

Es sind also nicht die Preise, die den Bereich des Luxus definieren. Dass Luxus viel Geld kostet, versteht sich von selbst. Er wird immer nur in kleinen Stückzahlen produziert oder ist gar Handarbeit. Doch erst der stilvolle Umgang mit seinen Penunzen verschafft dem Vermögenden eine Aura von Luxus. Das ist der prekäre Bereich, in der der Parvenü sich vom Altreichen unterscheidet.