"Ich bin in einer sehr wohlhabenden Gegend aufgewachsen. Meine Familie war dort die Einzige, die arm war. Alle um mich herum waren teuer gekleidet und lebten in schönen Häusern. Meine Mutter war ein mittelloser Hippie. Wie habe ich mich nach einem geordneten Leben gesehnt!"

Ich habe viele Träume, persönliche und politische. Aber mein größter Traum richtet sich auf etwas sehr, sehr Einfaches. So einfach, dass es für manche sogar ziemlich langweilig klingen könnte. Aber in den letzten Jahren habe ich die Erfahrung gemacht: Je verrückter mein Leben geworden ist, je mehr ich durch die Welt reise, je extremer die Situationen sind, in denen ich mich wiederfinde, desto mehr romantisiere ich die ganz einfachen Dinge im Leben. Mein wichtigster Traum ist einer, den wohl jeder irgendwann einmal träumt: eine wunderbare Frau zu finden, mich in sie zu verlieben und gemeinsam in einem großen, schönen Haus auf dem Land zu leben. An einer Waldlichtung vielleicht und direkt an einem See oder einem Fluss gelegen. Auf jeden Fall muss ein Ort zum Schwimmen in der Nähe sein, vielleicht noch ein Tennisplatz und unbedingt Tiere, massenweise: Hunde, Katzen, Schafe, Schweine, Lamas. Nicht, weil ich sie als Nutztiere halten möchte, sondern weil ich es liebe, in der Nähe von Tieren zu sein. Ganz besonders wichtig ist eine Horde kleiner Jack-Russel-Welpen, die im Haus herumtollen. Weniger klar ist mir, ob ich auch Kinder will.

In meinem Traum wache ich morgens neben der Frau auf, die ich liebe, gehe nach draußen, füttere die Tiere und renne mit meinen Hunden durch die Wälder. Wenn ich zurückkomme, gehe ich mit meiner Frau und vielleicht ein paar Freunden schwimmen. In meinem Haus sind oft Freunde zu Besuch, deshalb muss es sehr viele Zimmer haben. Dann verbringen wir den Tag damit, zu reden, Musik zu machen, mit den Tieren zu spielen und ab und zu in den See zu springen. Am Abend bereite ich das Abendessen, und anschließend spielen wir ein paar Runden Monopoly. Ich trinke ein oder zwei Gläser Wein, habe Sex mit meiner Frau und schlafe ein, inmitten von meinen Hunden.

Leider habe ich die kluge, musikbegeisterte, freundliche Frau aus meinem Traum noch nicht gefunden. Und auch sonst sieht mein Leben jetzt noch völlig anders aus. Die letzten vier Jahre waren völlig verrückt, die vorige Tour dauerte über zwei Jahre, und ich bekam jede Menge Popstar-Glamour ab, ging mit Hollywoodstars aus und wurde zu bizarren Promi-Partys eingeladen. Eine sehr merkwürdige Welt. Zurzeit befinde ich mich auf einer Tourne, die auch wieder fast zwei Jahre dauern wird. Mein Leben besteht nur aus Hotelzimmern, Flughäfen und Konzertbühnen. Ich frage mich manchmal, was mit mir geschehen wird, wenn ich damit aufhöre, meinen Lebensschwerpunkt so stark auf mein Musikerdasein zu legen. Werde ich es vermissen? Wahrscheinlich. Auf der anderen Seite gibt es nichts Schrecklicheres, als zu lange an seinem Erfolg festzuhalten. Schauspieler und Musiker, die alles dafür tun, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht zu verlieren, sind tragische Gestalten. Ich hoffe also, dass ich, wenn die Welt so allmählich ihr Interesse an mir verliert, in der Lage sein werde, in Würde zu gehen.

Loslassen zu können ist auch wichtig in Bezug auf die eigenen Überzeugungen und Ideale. Früher hätte ich mir ein Glas Wein am Abend nicht mal im Traum gegönnt. Ich war sehr strikt und militant in all meinen Grundsätzen, vor allem in meiner Ablehnung von Alkohol und Drogen. Doch vor einigen Jahren habe ich festgestellt, dass sich vieles, was ich bisher geglaubt und getan hatte, nicht mehr richtig anfühlte. Ich erinnere mich, dass ich mit einigen Freunden ausgegangen war und mich plötzlich fragte "Warum trinke ich eigentlich nicht?" Natürlich, Alkoholmissbrauch ist furchtbar, aber warum trinke ich überhaupt nichts? Ich erinnerte mich, dass ich es früher sehr gemocht hatte, gelegentlich zu trinken. Warum also war ich so rigide geworden, so militant? Das war der Anfang. Ich habe mich dann weiter gefragt, warum bin ich Veganer, warum bin ich Christ? Ich begann, alles in meinem Leben zu hinterfragen. Für vieles hatte ich gute Gründe. Ich bin Veganer, weil ich Tiere mag und nicht möchte, dass ihnen Schmerzen zugefügt werden. Also habe ich diese Überzeugung beibehalten. Ich bin Christ, weil mich Jesus und seine Lehren beeindrucken, also versuche ich, danach zu leben.

Alkohol und Drogen zu verteufeln habe ich aufgegeben. Weil mir klar wurde, dass ich viele meiner militanten Überzeugungen nur dazu benutzt habe, mich besser zu fühlen und auf andere hinabsehen zu können.

Das habe ich wahrscheinlich deshalb getan, weil ich ein sehr unsicherer Mensch bin und mich mein ganzes Leben als Außenseiter und Versager gefühlt habe. Ich bin in einer sehr wohlhabenden Gegend aufgewachsen, und meine Familie war dort die Einzige, die arm war. Alle Leute um mich herum waren teuer gekleidet, sahen gut aus und waren sportlich. Zumindest schien mir das so. Sie lebten alle in stabilen Familien mit schönen Häusern, schnittigen Wagen, Rassehunden, sauberen Teppichen und vornehmen Eltern, ich lebte bei meinen Großeltern, mein Vater war tot und meine Mutter ein mittelloser Hippie. Wie habe ich mich nach einem geordneten Leben gesehnt! Andererseits bin ich sehr froh über die Art und Weise, wie ich aufgewachsen bin. Ich wurde immer ermutigt, alles zu tun, was ich wollte. Ich hatte eine Menge Freiheiten und wurde zur Kreativität angehalten. Meine Mutter war Malerin und spielte Klavier, auch ich sollte schreiben, zeichnen und Musik machen.

Das hat sich inzwischen für mich ausgezahlt. Aber dennoch, trotz all des Erfolges, den ich in den letzten Jahren mit meiner Musik gehabt habe, trotz der zehn Millionen verkauften Alben, fühle ich mich auch heute immer noch oft als Außenseiter. Nicht mehr so oft wie noch vor einigen Jahren, aber ich glaube nicht, dass dieses Gefühl je ganz vergehen wird. Allerdings gibt es Zeiten, in denen ich es nicht so deutlich fühle. Neulich hatten wir eine Party zur Veröffentlichung des neuen Albums, all meine Freunde waren da, und wir haben Musik gemacht. Da war ich überhaupt nicht mehr unsicher, denn ich war umgeben von Menschen, die mich mögen. Aber wenn ich heute Nacht in eine Bar ginge, in der ich niemanden kenne, dann würde ich mich sehr allein fühlen, sehr unbehaglich und schrecklich verunsichert.