Das Tragische am Idiotenhügel liegt darin, dass man noch keinen Meter zurückgelegt, ja, noch nicht einmal die Bretter angeschnallt hat, aber bereits ein Trottel ist. Damals stand ich auf der Postwiese im sauerländischen Ort Neuastenberg, und um mich herum standen die Eltern, die Geschwister, der Onkel und die Tante sowie zahlreiche Cousinen. Ein Wortschwall donnerte auf mich ein. Sätze wie "Fang mit dem Schneepflug an", "Denk an den Talski" oder "Halt die Stöcke nicht zu hoch". Ich hatte ungeheure Angst, und um die wahre Angst nicht zu zeigen, gab ich vor, ungeheuer ängstlich zu sein.

Mein Vater bückte sich, drückte die Seilbindungen meiner Skier nach vorne zu. Noch mehr Qualen. Die Füße waren in den engen Schuhen ohnehin schon taub. Zudem schmerzten die Fingerkuppen, die Nase lief. Beim Blick ins Tal sah ich mehr Menschen im Schnee liegen als auf Skiern stehen, und alle, die noch auf den Beinen waren, schienen unter Krämpfen und Verspannungen zu leiden. Ich stand also inmitten einer Schneemaschinerie, die enorme Energie aufbringt, damit sich Menschen quälen. Für einen Augenblick wünschte ich mir, ich wäre mit Karl May im Bett geblieben, hätte von Pensionswirtin Dünnebacke eine Tasse heißen Kakao bekommen und mir später in der Bäckerei Dickel einen Negerkuss gekauft.

Plötzlich gab mir jemand einen Schubs. Die Skier fuhren los, während die Großfamilie laut applaudierte. "Du schaffst das!", rief jemand. Möglicherweise habe ich sehr schnell eine sehr verspannte Haltung eingenommen. Schon nach wenigen Metern war mir nämlich klar, dass ich a) nicht in der Lage sein würde, eine Kurve zu fahren und b) bald zu schnell wäre, um mich einfach fallen zu lassen. Der Hang wurde steiler, die Skier wurden schneller. Mit dem Tempo kam Hoffnung auf, dass die Karriere nach wenigen Metern ein Ende haben würde. Und das hatte sie dann auch. Ich sauste auf eine Traube wartender Deppen zu, die unten am Lift stand. Die Traube kam näher, immer näher. Ich wollte "Weg da!" rufen, aber da war es schon zu spät.

In Sauerländer hineinzurauschen ist nicht das Schlechteste. Mit meinen 32 Kilo hatte ich mindestens 1000 Kilo Sauerland umgehauen – doch niemand lachte mich aus. Der als humorlos verschriene Sauerländer neigt offensichtlich auch nicht zur Schadenfreude. Ich lag da und traute mich nicht, die Augen zu öffnen, betäubt vom Schmerz und von dem Gefühl der Katastrophe. Die Knie taten weh, der Rücken und die Hände und vor allem der Kopf. Irgendwann half mir ein älterer Herr auf die Beine.

Am nächsten Tag blieb ich mit Karl May im Bett. Eine innere Stimme sagte: Lass die Idioten nur allein.