Einige Schilder gibt es noch. Leicht ver- wittert stehen sie an den Talstationen und trotzen Sturm und Schnee: »Paarweise anstellen! Nicht aus der Spur fahren!« Doch Spuren gibt es auf den Schlepplift-Trassen schon lange nicht mehr. Spuren, das waren vier tiefe, parallele Rinnen. Da konnten zwei Skifahrer gleichzeitig ihre Bretter einfädeln und sich bequem wie auf Gleisen nach oben ziehen lassen. Konnten dabei die Landschaft betrachten und mit dem Beifahrer plaudern.

Dann wurden die Snowboards erfunden, und die Snowboarder walzten alle Schleppliftspuren platt. Auf solchen glatten Trassen erfordert Schleppliftfahren die volle Konzentration. Immer schön auf die Skispitzen achten! Und geradeaus fahren! Anstellen, das hieß früher: warten, bis man an der Reihe war. Und zwar zu zweit nebeneinander. Für Single-Skifahrer gab es ganz vorn in der Schlange eine Ausweiche, in der sie auf einen anderen Einzelgänger warten konnten. Oder auf eine Einzelgängerin. Wenn man Glück hatte, war sie hübsch. Oder konnte interessante Geschichten erzählen.

Heute stellen sich die Single-Skifahrer komisch an, wenn man sie fragt: »Sind Sie allein?« Sie zucken zurück, als hätte man ihnen einen unsittlichen Antrag gemacht, und ihre Augen weiten sich in Panik. Dann fahren sie allein los, mit schlotternden Knien, hängen schief am Schleppliftbügel, der doch dafür konstruiert ist, von zwei Skifahrern im Gleichgewicht gehalten zu werden, und fliegen vor lauter Irritation nach ein paar Metern aus der Bahn. Böser Blick zurück!

Die Warteschlange an der Talstation aber wird länger und länger. Da ist es nur logisch, dass die Schlepplifte nach und nach verschwinden: zu unkomfortabel! Zu langsam! An ihre Stelle treten Sessellifte: Zweier, Vierer, Sechser, Achter. In ihnen sitzt man in sicherem Abstand vom Nebenmann, muss sich mit niemandem unterhalten und sich nicht darüber verständigen, wer beim Aussteigen den Bügel hält.

Schade drum! Kann ja sein, dass man vom Sessellift aus die bessere Aussicht hat. Und dass man an Sesselliftstützen leichter jene Lautsprecher anbringen kann, aus denen volkstümliche Musik dudelt. Aber beim Schleppliftfahren blieb man mit beiden Beinen auf dem Boden. Spürte, wie der Schnee war: Harschig? Firnig? Zu weich? Konnte mit den Stöcken Wellenlinien in den Schnee zeichnen oder mit den Tellern nette Verzierungen. Und konnte der Beifahrerin, wenn sie zu unsicher auf den Brettern stand, hilfsbereit den Arm um die Taille legen.

Das war schön, damals.