Das dritte Quartal war wieder nichts. Zu viele Pullover, Hosen, Taschen und Toaster blieben in den Regalen der Karstadt-Warenhäuser liegen. Von Januar bis September ging der Umsatz um 7,6 Prozent zurück, damit bescherten die Einkaufstempel ihrer Konzernmutter KarstadtQuelle ein Minus von mehr als 160 Millionen Euro.

Mit schlechten Zahlen steht der größte deutsche Warenhaus- und Versandhandelskonzern allerdings nicht allein da. "Seit zehn Monaten geht es bergab", beklagt Hermann Franzen, Präsident des Branchenverbandes HDE, die Lage des deutschen Einzelhandels. Aufs ganze Jahr gesehen, müssten sich die Händler mit einen Umsatzrückgang von drei Prozent abfinden - dem größten Minus seit mehr als einem Jahrzehnt. Eine Erklärung hat Franzen auch: Schuld seien die schwächelnde Konjunktur und die neue Sparsamkeit der Verbraucher aus Angst vor Arbeitslosigkeit und höheren Steuern. Aber noch viel mehr die Expansionswut seiner Mitglieder: "In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Verkaufsfläche um 40 Prozent erhöht", sagt er, "aber der Umsatz stagniert."

Seit der Wiedervereinigung wurden riesige Einkaufszentren auf der grünen Wiese gebaut, aber die Menschen kauften deshalb nicht mehr als zuvor. Die fatale Folge: Wurden pro Quadratmeter Verkaufsfläche vor zehn Jahren noch Waren im Wert von rund 4300 Euro losgeschlagen, sind es heute weniger als 3400 Euro.

Es wäre das Beste, wenn einige Geschäfte für immer schließen würden, und die Manager von KarstadtQuelle arbeiten heftig daran, dass es die anderen sind, die zumachen. "Wir werden eine Reihe von nicht kapitalkräftigen Mittelständlern rausschießen", sagte Vorstandschef Wolfgang Urban unlängst im kleinen Kreis, bevor er am Montag dieser Woche andeutete, wie er seine 190 Warenhäuser, zu denen neben den Karstadt-Filialen auch das noble KaDeWe in Berlin und das traditionsreiche Hamburger Alsterhaus gehören, in den nächsten Jahren umkrempeln will.

Künftig sollen Karstadt-Kunden Angebote finden, die der Warenhauskonzern bislang nicht bieten konnte. In einzelne Filialen hat Wolfgang Urban bereits die amerikanische Café-Kette Starbucks einziehen lassen. Vielleicht macht die Kundin nach dem Kaffee ja noch einen Schlenker durch die Süßwarenabteilung oder schließt bei einem weiteren Partner, der Düsseldorfer Versicherungsgruppe Ergo (Victoria, Hamburg-Mannheimer), eine Haftpflicht-, Hausrats- und Lebensversicherung ab. Und vielleicht nimmt der Kunde auf dem Rückweg ja noch einen Pullover mit.

Wie Urbans Konzept im tatsächlichen Leben aussieht, zeigen die im Oktober eröffneten Karstadt-Arkaden in Mühlheim. Von den 40 000 Quadratmetern Ladenfläche ist rund ein Viertel an fremde Unternehmen vermietet, vor allem an Bekleidungsketten wie Street One, den Herrenausstatter Anson's oder Benetton. Rund 23 Millionen Euro hat Karstadt in das neue Konzept investiert, das nicht mehr dem eines herkömmlichen Warenhauses entspricht, sondern eher dem einer typisch amerikanischen Mall, also einem mehrstöckigen Marktplatz mit vielen verschiedenen Verkaufsständen und Bistros.

Benetton und Street One sind die neuen Untermieter Urban ist es egal, auf wessen Rechnung die Pullis und Hosen künftig verkauft werden, weil Karstadt durch das neue Konzept einige Vorteile genießt: Erstens bekommt das Unternehmen die Miete, unabhängig davon, ob die Waren in den Regalen seiner Untermieter liegen bleiben. Zweitens spart Karstadt Personalkosten, weil die Verkäuferinnen künftig bei Street One und anderen angestellt sind. Und drittens kann sich das Warenhaus darauf beschränken, ausschließlich Eigenmarken wie Yorn oder Inscene zu verkaufen, bei denen die Gewinnspanne deutlich höher ist als bei den zugekauften Markenprodukten.