Kann denn Information Sünde sein? Die Europäische Kommission will alle börsennotierten Unternehmen in der EU verpflichten, Quartalsberichte zu veröffentlichen. Auf diese Weise wollen die Eurokraten nach den Skandalen bei Enron und Co das Vertrauen der Anleger stärken. Sie meinen es zwar gut, aber ihre Lösung ist schlecht.

Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, den vierteljährlichen Rapport europaweit zur Pflicht zu machen. Zwar will die Kommission bis zum Jahr 2005 in der EU einen einheitlichen Kapitalmarkt schaffen. Doch dafür braucht sie diese Vorschrift nicht. Bisher schreiben acht Mitgliedsstaaten die Vierteljahresberichte gesetzlich vor, darunter Spanien und Italien, sieben Länder verzichten auf sie, so zum Beispiel Großbritannien. In Deutschland verlangt die Börse Vierteljahreszahlen nur von Firmen, deren Aktien in bestimmten Segmenten wie etwa dem Dax oder dem Neuen Markt gehandelt werden.

Diese nationalen Regelungen existieren nebeneinander, ohne dass die Anleger deshalb bestimmte Aktienmärkte gemieden oder andere erkennbar bevorzugt hätten. Und dort, wo Quartalszahlen verbindlich waren, so auch am Neuen Markt, konnten sie nicht verhindern, dass Unternehmen reihenweise überschätzt und die Anleger von Pleiten überrascht wurden - was im Übrigen genauso für den epochemachenden Fall Enron in den USA gilt.

Andererseits ist die viermalige Berichterstattung im Jahr teuer, und sie verleitet Anleger wie Unternehmer zu kurzfristigem Denken. Man mag die zusätzliche Transparenz auch höher einschätzen - aber dann sollte man es, bitte schön, dem Wettbewerb überlassen, welche Regeln sich bewähren.

Noch verhandelt die Kommission mit den Mitgliedsstaaten. Setzt sich am Ende der Zwang durch, würde nur neues Misstrauen entstehen - gegenüber europäischer Regulierungswut.