Gerhard Schröder: Wir werden Israel helfenDie rot-grüne Regierung wird der Bitte Israels um Abwehrraketen vom Typ "Patriot" nachkommen. In einem Interview mit der ZEIT, dass am Donnerstag erscheint, kündigt Bundeskanzler Gerhard Schröder an: "Wenn die israelische Regierung diesen Zuwachs an Sicherheit braucht, werden wir helfen - und zwar rechtzeitig. Das gebietet unsere historische und moralische Pflicht." Schröder fügt hinzu, das System "Patriot" sei rein defensiv. "Es bietet Schutz gegen Raketenangriffe. Die Sicherheit des Staates Israels und seiner Bürger ist uns überragend wichtig."

Schröder kündigt härtere Gangart anIn einem Grundsatz-Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder in scharfer Form gegen ein "nie gekanntes Maß an sozialer Demagogie auf der Seite der Union" gewehrt. Die Unternehmenssteuerreform zum Beispiel "sollte die Deutschland-AG auflockern". Dagegen sei die Union mit "hemmungsloser Demagogie zu Felde gezogen - ohne dass die ihr zugeneigten Verbände entschieden widersprochen hätten". Den aggressiven Tonfall der Opposition, den Vorwurf von Lüge und Betrug führt Schröder auf den personalisierten Wahlkampf zurück, den die Union verloren habe: Deswegen sei es nun die Strategie der Union, seine "Integrität zu zerstören. Und darin ist sie völlig bedenkenlos. Es gibt da auch keinen Unterschied zwischen Frau Merkel und Herrn Stoiber." In Anspielung auf die Anwürfe gegen seine Frau meinte der Bundeskanzler: "Eine absolut negative Begleiterscheinung ist, dass diese Art der Aggressivität in der Sprache sich auch auf Menschen auswirkt, die sich nicht wehren können, zum Beispiel die Familie."Schröder werde sich fortan "mit allen Interessengruppen" auf dem Felde der Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik "anlegen". Er kündigte eine härtere Gangart an. Jeder, der "den Sozialstaat in der Substanz erhalten will, unter völlig veränderten weltwirtschaftlichen Bedingungen", müsse auch Ansprüche zurücknehmen. Schröder: "Und wenn das nicht freiwillig geschieht, muss die Regierung das erzwingen." ... "Die großen, mächtigen Mitglieder" der Verbände "müssen ihren Verbandsoberen auch mal sagen: Lasst das Taktieren sein."Zu den Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst meinte Schröder: "Wenn es dort einen Abschluss geben soll, der schnell ist, dann wird es nur einer sein können, der haushaltsverträglich ist. Und das liegt sicher weit unter dem, was die Gewerkschaften sich vorstellen."Auf die Kritik von Peter Hartz, die Reformvorschläge seiner Kommission zum Arbeitsmarkt wü rden nicht eins zu eins übersetzt, erwiderte Schröder, das sei von Hartz "überzeichnet". Man solle jedenfalls den Versuch machen, die Leih- und Zeitarbeit tariflich zu regeln, wobei es natürlich Abschlüsse unter den normalen branchenüblichen Tarifverträgen geben mü sse. Wichtige Kündigungsschutzbereiche würden, wie der Kanzler meinte, durch diese Art der Leih- und Zeitarbeit faktisch außer Kraft gesetzt.In dem ZEIT-Gespräch räumte Schröder selbstkritisch ein, "dass der Entscheidungsfindungsprozess (der Koalitionsgespräche) nicht in Ordnung war. Wir hatten lange genug Zeit, uns auf die Neuauflage der Koalitionsverhandlungen vorzubereiten. Und wenn steuerliche Vorschläge auf den Tisch kommen, deren wirtschaftliche Konsequenzen nicht hinreichend abgeklopft sind, kann man das besser machen."Der Bundeskanzler rechnet fest mit einem blauen Brief aus Brüssel. Allerdings werde dieser nicht mit einer finanziellen Strafe einher kommen. Wohl aber stellt sich Schröder eine mögliche Neudefinition des Stabilitätspakts vor: "Man könnte sich auch einmal fragen: Spielt die absolute Verschuldung, spielen Inflationsraten und spielt Arbeitslosigkeit nicht eine Rolle bei der Bewertung dessen, was ökonomisch vernünftig ist und was nicht?" Eine Flexibilisierung des Stabilitätspakts hält Schröder jedenfalls für sinnvoll.Zum Streit mit Amerika sagte der Kanzler, dass es "kein Preis" sei, den er an Bush entrichtet habe, "sondern eine Selbstverständlichkeit": Überflugrechte, Nutzung der Basen, vielleicht sogar Geleitschutz durch die Bundesmarine. Schröder wies auch darauf hin, dass der Vorwurf des Anti-Amerikanismus aus seiner Sicht völlig verkehrt und ihm persönlich auch fremd sei: "Meine erste studentische Aktion, die ich in Göttingen mitgemacht habe, war der Fackelmarsch aus Anlass der Ermordung von Kennedy."

Ex-Notenbankpräsident kritisiert den Stabilitätspakt der EuropäerDer Europäische Stabilitätspakt ist nach Meinung des ehemaligen Notenbankpräsidenten der USA, Paul Volcker, zu rigide. Im Interview mit der ZEIT sagt Volcker, die Regeln des Pakts müssten "mehr Flexibilität bei ernsten konjunkturellen Problemen" zulassen. Neben der Fiskalpolitik sei auch die Geldpolitik in Europa zu starr für die Krise.Auch über den amerikanischen Präsidenten George W. Bush äußert sich Volcker kritisch. Im Kampf gegen Bilanzfälschungen und andere Betrügereien handele die Regierung in Washington unentschlossen. Sie tue sich extrem schwer, der Wertpapierbehörde SEC die notwendigen Mittel zu gewähren. Die neue Behörde zur Kontrolle von Wirtschaftsprüfern leide darunter, immer noch keinen Chef zu haben. Ihm sei unverständlich, warum in Washington "Personalentscheidungen so konfus geraten konnten".

Tony Kushner: Scharon ist ein MonsterDer amerikanische Dramatiker Tony Kushner, 46, dessen neues Theaterstück "Homebody/Kabul" jetzt in Basel gezeigt wurde, sagt in der ZEIT: "Ich bin stolz darauf, jüdisch zu sein, aber ich bin abgestoßen von der israelischen Regierung und von Scharon, der ein Monster ist. Das Dilemma ist, dass in Israel eine Art Apartheid herrscht, wo alle, die nicht jü disch sind, keine vollen Rechte haben, aber dass Israel nur so zu funktionieren scheint."Kushner sieht seinen Job als Dramatiker auch darin, Didaktiker zu sein, zu lehren und zu unterhalten. Seine Stücke müssten "interessant sein und viele komplexe Fragen aufwerfen, auf die ich selbst keine Antwort weiß. Was bedeutet es für mich, schwul zu sein, jüdisch, amerikanisch, ein westlicher Mensch? Die Widersprüche, mit denen ich kämpfe, sollen in meine Stücke einfließen und nicht etwas, was ich schon lange für mich geklärt habe.""Bushs brillanter Schachzug war es, so zu tun, als sei er ein Vollidiot. Deshalb waren die Erwartungen so niedrig, dass man heute alles gut findet, was er tut", sagt Kushner der ZEIT. "Dann haben seine Berater herausgefunden, dass es besser ist, wenn er seine Reden auswendig lernt. Bush ist Legastheniker, und solange er vom Teleprompter ablas, wirkte er unglaubwürdig ... In diesem Land gab es zwar immer ein großes Potenzial von progressiven Leuten, die an Gerechtigkeit glaubten, aber das ging in den letzten Jahren verloren."

Christiane Pauls Traum: "An vorderster Front kämpfen"Christiane Paul, 28, Schauspielerin und promovierte Medizinerin, Gewinnerin der Goldenen Kamera und des Max-Ophüls-Preises, sprach mit der ZEIT über ihren Zorn über "politische Talkshows die nichts erklären, sondern mich hilflos zurücklassen". Es mache sie wütend, wenn es Klimaschutzkonferenzen gibt, auf denen nur geredet, aber nichts beschlossen wird. Sie werde aggressiv, wenn man Ärzte als bloße Abzocker hinstellt, nur weil Geld in den Krankenkassen fehlt. Paul: "Ich möchte begreifen, warum zurzeit alles so aus dem Ruder läuft, und träume davon, es wieder in eine gute Richtung bringen zu können."Aufgewachsen in einem bürgerlichen Haushalt in Ost-Berlin, "zogen sich all die Widersprü che des Sozialismus, das Angepasstsein, die Eingeschlossenheit und der Wankelmut wie rote Fäden durch die familiären Küchengespräche ... da konnte man gar nicht anders, als früh damit anzufangen, alles zu hinterfragen." All diese Widersprüche drängen Christiane Paul in ihren Träumen, an vorderster Front zu stehen, etwas zu bewegen, ob nun als Ärztin, Umweltschutzaktivistin auf einem Green-Peace-Schiff, oder als Politikerin. "Mein Traum vom Einfluss, von der Macht, etwas verändern zu können hängt sicherlich mit meiner Sucht nach Perfektion zusammen und der damit verbundenen permanenten Unruhe."Paul: "Schauspielerin oder Ärztin, Umweltaktivistin oder Kämpferin für eine bessere Bildung? In mir rangeln viele Interessen um den ersten Platz. Vom Traum zur Tat, das wäre mein größter Traum."

Studie: Geschirrspülen für die WissenschaftDer Bonner Forscher Rainer Stamminger, 49, führt am Institut für Landtechnik der Universität Bonn eine Studie zum Thema "Handspülen in Europa" durch und beobachtete Probanden aus 10 verschiedenen Ländern beim Geschirrspülen. Er will herausfinden, "wie viel Energie, Wasser und Spülmittel verwendet werden.", berichtete er der ZEIT. "Wir wollen zeigen, wie unterschiedlich das Verhalten der Leute am Spülbecken ist und wie man es verbessern kann".140 Geschirrteile, die zuvor nach DIN-Norm verschmutzt worden sind, werden von den Testpersonen gesäubert. Stamminger: "Es ist unglaublich, wie viele Spülvarianten es gibt." Auch bei dem Wasser- und Energieverbrauch gibt es eine enorme Streuung von sparsamen 20 Litern bis zu verschwenderischen 300 Litern. Zum Vergleich - Eine moderne Geschirrspü lmaschine kommt mit 15 Litern aus."

Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Verena Schröder, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/ 3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. schroeder@zeit.de ) gern zur Verfügung.