So recht wollten die Besucher der Computermesse Cebit im Frühjahr zunächst nicht glauben, was sie am Stand des Elektronikkonzerns Sony sahen: Auf einem Bildschirm fuhr ein Mauszeiger über die Oberfläche eines Linux-Schreibtischs. Doch unter dem Monitor surrte kein Großrechner oder PC - dort stand, klein und schwarz, nur eine Playstation 2 (PS2). Linux, das allgemein als Betriebssystem der Frickler und Fummler gilt, erweiterte die Spielkonsole zum vollwertigen PC.

Für rund 290 Euro bietet Sony im Internet ein Linux-Set für die PS2 an. Das Paket enthält außer der Software eine 40-Gigabyte-Festplatte, Tastatur und Maus sowie eine Netzwerkkarte. Über einen mitgelieferten Adapter lässt sich die PS2, die ursprünglich nur für den Einsatz am Fernseher gedacht war, an einen Monitor anschließen. Nun können PS2-Besitzer mit der Konsole auch Texte schreiben und drucken, das Web durchstöbern oder E-Mails verschicken.

Mit dem Erweiterungsset für die Sony-Konsole erreicht das frühere Untergrundbetriebssystem, das 1991 von dem Finnen Linus Torvalds entwickelt wurde, die Wohnzimmer. Torvalds stellte die Software, die kompatibel zum Unix-Betriebssystem ist, kostenlos im Internet zur Verfügung. Seitdem nutzen sie Anwender auf der ganzen Welt - und verbessern sie ständig weiter. Denn anders als etwa bei Windows steht der Code des Programms allen offen, jeder darf es nach seinen Wünschen verändern. Auf diesem Konzept beruht seine besondere Stabilität: Weil es ständig überprüft wird, werden Fehler in kurzer Zeit gefunden und behoben.

In den vergangenen Jahren hat sich Linux vom Hobby leidenschaftlicher Programmierer zum ernst zu nehmenden Betriebssystem entwickelt. Vor allem Systemadministratoren setzen es auf Servern in großen Firmennetzen ein.

"Offiziellen Schätzungen zufolge nutzen weltweit rund 15 Millionen Menschen Linux", sagt Christian Egle, Sprecher des deutschen Linux-Anbieters Suse.

Das klingt nach viel, aber bei Arbeitsplatzrechnern stagniert der Marktanteil von Linux unterhalb von zwei Prozent. Viele Nutzer scheuen den Wechsel, weil sie zu Unrecht fürchten, Linux sei kompliziert und unkomfortabel. Daran wird auch Sonys PS2-Erweiterung so schnell nichts ändern, denn sie ist vor allem für Programmierer gedacht, die PS2-Spiele direkt auf der Konsole entwickeln wollen. Gegen den Einsatz der PS2 als PC-Ersatz sprechen die Ausstattung und der Preis: Mit ihrem 300-Megahertz-Prozessor und 32 Megabyte Hauptspeicher liegt sie klar hinter modernen Rechnern zurück. Für die rund 550 Euro, die Konsole und Erweiterung kosten, bekommt man einen deutlich stärkeren PC.

Eine billigere und leistungsfähigere Lösung hat der bayerische Informatikstudent Michael Steil mit ein paar Freunden entwickelt: Linux auf Microsofts Spielkonsole Xbox. "Mit der Linux-Xbox kann man nahezu das Gleiche anstellen wie mit einem Linux-PC", sagt Steil.