Bevor das Kind Wladimir Kaminer laufen lernte, lernte es sprechen. Darin unterschied es sich nicht von den meisten anderen Kindern. Das Besondere an Wladimir Kaminer war, dass er - anstatt in einem mühseligen Lernprozess aus unartikuliertem Gebrumme das Wort Mama zu formen - ein traumatisches Initiationserlebnis hatte. "Hau ab!", habe er einen Moskauer Exhibitionisten angeschrien, behauptet Kaminer in seinem Buch Militärmusik, und nach diesen ersten beiden Wörtern sei fortan kein Halten mehr gewesen. Er erzählte und erzählte "und kann damit immer noch nicht aufhören". Seit der 1967 geborene Russe 1990 nach Berlin kam, hat er sechs Bücher in deutscher Sprache geschrieben und ist mit dem Erzählband Russendisko sowie der gleichnamigen Dauerveranstaltung im Berliner Café Burger zum manischen Stadt-Land-und-Leute-Beobachter, wenn nicht zum berühmtesten Russen Deutschlands avanciert. Für seine komischen, spröden, oft angriffslustigen Erzählungen erhält Wladimir Kaminer nun den Ben-Witter-Preis des Jahres 2002.

Die mit 15 500 Euro dotierte Auszeichnung, gestiftet vom 1993 gestorbenen Schriftsteller und ZEIT-Autor Ben Witter, wird am 29. November, 19 Uhr in der Hamburger Buchhandlung Felix Jud verliehen. Die Laudatio hält Willi Winkler.