Durch die zugigen Hallen der Brüsseler Expo schoben sich vor einigen Tagen mehr als 8000 Forscher, Wissenschaftsmanager und -beamte aus 60 Nationen. Alle schienen sie auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Oder war es nur ein Fleischtopf, der sie anlockte?

Die Europäische Kommission wird von Januar 2003 bis ins Jahr 2006 beachtliche 17,5 Milliarden Euro für die Forschung ausschütten. Das sind 17 Prozent mehr als beim vorhergehenden, fünften Forschungsrahmenprogramm (allerdings zahlt die Union für ihre Bauern im selben Zeitraum zehnmal so viel aus). Von den 17,5 Milliarden Euro für die Zukunft fließen 11,3 Milliarden direkt in die Forschungslaboratorien und gut eine Milliarde in die Nuklearprogramme von Euratom, vor allem in den Fusionsreaktor Iter. Der Rest soll beispielsweise die Mobilität der Forscher fördern. Hier gilt die EU-Erweiterung schon als vollendet, alle Kandidatenländer gehören zur Familie. Dennoch endet die Freiheit für Forscher nicht selten schon bei den Sozialversicherungen, die weiterhin Kirchturmpolitik betreiben.

Weiter Weg zur Exzellenz

Trotzdem schwärmen Eurokraten, der "europäische Wissenschaftsraum" werde bald Wirklichkeit, es entstehe "die größte wissensgestützte Wirtschaft der Welt".

Dieses Projekt haben Europas Regierungschefs vor zweieinhalb Jahren in Lissabon beschlossen, mit Zieldatum 2010. "Forschungsexzellenz hoch 15" verheißt gar eine Broschüre der Brüsseler EU-Kommission. Doch von solcher Potenz ist die europäische Forschung noch meilenweit entfernt. Das wird deutlich, wenn man jene Messlatte anlegt, die von den Regierungschefs in Lissabon vorgegeben wurde: Spätestens in acht Jahren sollen jeweils drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in die Forschung fließen. Doch bisher geben die 15 Mitgliedsstaaten der Union hierfür im Durchschnitt nur 1,8 Prozent des BIP aus, Tendenz: seit Jahren fallend. Gestiegen sind dagegen die Forschungsbudgets in Japan und den USA: Mit 3,1 Prozent des BIP investiert das kränkelnde Japan konsequent in die Zukunft, auch die Amerikaner übertreffen mit 2,7 Prozent die meisten europäischen Nationen.

Zudem zählt die Union laut EU-Kommission gerade einmal fünf Forscher pro tausend Berufstätige. Da melden die Amerikaner sieben, die Japaner gar acht.

Ein Drittel aller in Europa angemeldeten Patente stammt von Amerikanern, ein Fünftel von Japanern. Derweil zanken die Europäer um das notwendige Gemeinschaftspatent.