Wie Rambos sehen sie wahrlich nicht aus. Und auch die Lust auf Action hält sich bei den zwei schmalen Jungs mit den weichen Gesichtszügen in Grenzen. "Personenschützer wäre kein Job für mich. Da muss man ja für andere sein Leben aufs Spiel setzen", sagt Stefan Gollan, 17, und Marco Papenfuß, 16, stimmt zu.

Trotzdem arbeiten die beiden ausgerechnet in jenem Gewerbe, das bei manchen den Ruf hat, aus verkappten Schlägern in Uniform zu bestehen: Sie gehören zu den ersten Azubis privater Sicherheitsdienste. Der Marktführer Securitas hat sie neben 13 anderen Jugendlichen aus 300 Bewerbern ausgewählt. Am Standort Potsdam werden sie jetzt in drei Jahren zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit ausgebildet.

Mit ihren vertrauenerweckenden Gesichtern stehen Stefan Gollan und Marco Papenfuß beispielhaft für den Imagewandel, um den sich das Gewerbe derzeit bemüht. Dazu gehört nicht nur ein freundlicheres Erscheinungsbild, sondern vor allem die bessere Ausbildung der Mitarbeiter. So beteiligte sich der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) an der Verschärfung der Gewerbeordnung. Seitdem dürfen Wachmänner erst dann im öffentlichen Raum arbeiten, wenn sie eine Sachkundeprüfung bestanden haben. Außerdem half der Verband dabei, den neuen Ausbildungsberuf der Fachkraft für Schutz und Sicherheit zu schaffen. Der ist seit August offiziell anerkannt.

Seinen schlechten Ruf verdankt das private Sicherheitsgewerbe dem martialischen Auftreten der berüchtigten "schwarzen Sheriffs" in München und dem brutalen Umgang einiger Security-Männer mit Kleinkriminellen und Obdachlosen. Nichtsdestotrotz wuchs die Branche rasant. 2001 hatte sie 145000 Beschäftigte, gegenüber 1997 ein Anstieg von 50 Prozent. Um Geld zu sparen, betraut der Staat immer häufiger private Sicherheitsdienste mit polizeilichen Aufgaben – zum Verdruss der Gewerkschaft der Polizei, die die miserable Ausbildung der Privaten anprangert.

Die wollen nun den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. "Der neue Ausbildungsberuf hat eine politische Dimension. Es geht um die Außendarstellung unserer Branche", sagt Martin Hildebrandt, der beim BDWS für den neuen Beruf zuständig ist. Und Peter Haller, Chef der All Service Sicherheitsdienste in Frankfurt am Main, stellt klar: "Wir werden darauf achten, dass wir keine Mini-Rambos heranziehen." Unter den fünf Azubis, die Haller eingestellt hat, sind drei Frauen.

Die PR-Maschine für ein neues Image läuft. Doch nach dem ökonomischen Sinn der Fachkraft für Schutz und Sicherheit gefragt, zucken viele Branchenmitglieder mit den Schultern. "Keiner weiß, wo sie überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann", sagt Sven Jozefowski, Deutschland-Chef der Sicherheitsfirma Securicor.

Azubis mit Abitur

Die Ausbildung soll Generalisten in Sachen Sicherheit heranziehen. In ihren drei Lehrjahren lernen die Azubis, wie man Gebäude und Werkgelände schützt, Veranstaltungen sichert und den öffentlichen Nahverkehr überwacht. Bei so genannten Großschadensereignissen wie zum Beipiel Fabrikbränden müssen sie richtig reagieren; bei Konflikten sollen sie in der Lage sein, die Situation zu deeskalieren. Im Betrieb und in der Berufschule lernen sie außerdem Rechtsgrundlagen sowie Schutzvorschriften für Firmen kennen. Auch Kaufmännisches steht auf dem Stundenplan: Controlling, Marketing und Personalwirtschaft zum Beispiel. Mit den neuesten Einbruchsmeldern, Schließanlagen und Videoüberwachungstechniken sollen die Azubis sich ebenfalls vertraut machen. Dass eine so breite Qualifikation vom Markt nachgefragt wird, bezweifelt selbst BDWS-Mann Hildebrandt. "Für die überwiegende Zahl der Tätigkeiten in der Sicherheitsbranche ist keine Ausbildung zur Fachkraft notwendig", sagt er.