Der Mensch lebt in einem Käfig. Die Gitterstäbe, das sind die ungezählten Regeln, die unsere Freiheit einengen

von andern aufgestellt, von uns zu befolgen. Das fängt bereits im Elternhaus an: Was auf den Tisch kommt, solange du deine Füße ... wir wären damals froh gewesen! In der Schule werden wir mit Kommaregeln gegängelt, später mit Regelstudienzeiten, dann mit Teilzeitregelungen. "Bürger, auf die Barrikaden!", rief Arnulf Baring, "unser bedeutendster Historiker" (Bild), jüngst ins Land - und stellte die fundamentalen Regeln unseres Gemeinwesens infrage: "Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob die Verfassung von 1949 mit ihrer vorsichtig ausgeklügelten Machtverteilung nicht jede energische Konsolidierung Deutschlands verhindert." Tags darauf Marco van Basten im Tagesspiegel: "Unverständlich genug, dass die Spielregeln in den letzten 50 Jahren nicht oder kaum verändert wurden." Doch Hollands berühmtester Mittelstürmer meinte nicht das Grundgesetz, sondern die Fußballregeln

dem Spiel sei das Fairplay abhanden gekommen. Dabei sind weder die Fifa-Regeln unsinnig, noch ist es unsere Verfassung, nein: Beides ist nur falsch zugeordnet. Erstere sind wie maßgeschneidert für die Politik, Letztere wie geschaffen, das Geschehen auf dem Rasen zu lenken. Welch Gewinn für Fußball und Politik! Artikel 16 a (Asylrecht): Verfolgten Brasilianern, Franzosen und Paraguayanern gewähren wir Unterschlupf, sofern sie Fußball spielen können. Artikel 5 (Meinungsfreiheit): Jeder darf den Schiri ungestraft ein Arschloch nennen

meistens stimmt es, und besser, die Spieler reagieren sich verbal ab.

Artikel 3 (Gleichberechtigung): Fortan gibt es gemischte Mannschaften

die Freude auf den Trikot-Tausch bewirkt gewaltige Motivationsschübe. Und die Politik? Die muss im Gegenzug viel härter werden. Nicht erst im Wahl- und WM-Jahr 2006, sondern sofort. Auf, es geht um den Klassenerhalt! Die Bayern auf Platz eins der Liga, die Roten Teufel als einsames Schlusslicht - das darf nicht sein. Was hatten die alten Recken doch für Energie: Kurt und Toni Schumacher und allen voran Gerd, der Bomber der Nation. Davon ist bei der heutigen Mannschaft nichts zu spüren. Aber von wegen "unter meiner Führung keine Beteiligung". Beim nächsten Länderspiel gegen den Irak wird aus allen Rohren gefeuert. Eine Begegnung mit dem Team aus Bagdad ist ein TV-Event: Sat.1, ARD und ZDF werden sich gegenseitig mit Höchstpreisen überbieten, um die Übertragungsrechte zu bekommen. Und alles fließt direkt in Eichels Säckel. Der Haushalt ist saniert!