Vor kurzem hat Schulleiter Helmut Hoffmann einen Brief bekommen, im DIN-A4-Format, der Absender: das Data Processing Center in Hamburg. Der 54-Jährige hatte dem Schreiben entgegengefiebert wie ein Schüler seinem Zeugnis. Und so etwas waren die Ergebnisse des Pisa-Tests ja auch: ein Zeugnis über die Leistungen des Bremer Schulzentrums Sebaldsbrück - und über die Leistungen seines Direktors.

Hoffmann riss den Umschlag auf, sah viele Zahlen und Tabellen, verstand erst einmal nichts und atmete dann erleichtert auf: Seine Schüler hatten zwar nicht überragend abgeschnitten, aber für Bremer Verhältnisse ganz passabel.

In trüben Stunden hatte Hoffmann Schlimmeres erwartet.

Vor einem Jahr noch, im Zeitalter vor dem Erscheinen der Pisa-Studie, hätten solche Zahlen kaum einen Schulleiter in Deutschland nervös gemacht. Da gab es noch keine internationalen Schülervergleiche, die in der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Da durften Bildungspolitiker und Eltern noch glauben, dass die deutschen Schulen zu den besseren in der Welt gehören. Und in Bremen ahnte niemand, dass die Neuntklässler hier im Schnitt nur wenig besser lesen können als Schüler in Drittweltstaaten wie Brasilien oder Mexiko.

Nirgendwo in Deutschland ist es zwar so schlimm wie in Bremen, und dennoch ist Bremen ein gutes Beispiel für die Missstände im deutschen Schulsystem.

Ein krasses Beispiel, aber kein untypisches. Hier unterrichten die ältesten Lehrer der Republik, und ihre Gewerkschaft ist die verstockteste. In keinem anderen Bundesland sind die sozialen Verhältnisse in den Schulen so schwierig. Nirgendwo war der bildungspolitische Aufbruch so hochfliegend wie in Bremen und der Niedergang so erschreckend. Der Stadtstaat ist das absolute Schlusslicht bei Pisa - und das Bundesland, das nach der Pleite die radikalsten Reformen durchsetzen will.

"Pisa hat die Welt verändert", sagt Schulleiter Hoffmann. Zumindest die der deutschen Schulen. Nicht länger sollen sich Lehrer als Individualisten durch den Schulalltag schlagen, sondern ihren Unterricht offen legen und mit ihren Kollegen zusammenarbeiten, fordern Politiker. Es reicht nicht mehr, treu den Lehrplan abzuarbeiten und darauf zu setzen, dass irgendetwas bei den Schülern hängen bleibt. In Zukunft wird gemessen und verglichen. Lehrer sollen haften für die Leistungen ihrer Schüler.