Zuerst die schöne Geschichte: Berthold Beitz, kein Mann der Forschung, aber mit einem Sinn für Qualität begabt, vergab kürzlich den alljährlichen Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer. Ausgezeichnet wurden drei himmelstürmende Nachwuchstalente - eine experimentelle Kardiologin, ein Mineraloge und ein biophysikalischer Chemiker - mit je 500 000 Euro: eine Ausstattung, von der die Bulmahnschen Juniorprofessoren nur träumen können.

Die drei waren unter 70 Kandidaten ausgewählt worden, vorgeschlagen von ihren akademischen Lehrern, unterstützt von den Dekanen und Präsidenten ihrer Hochschulen. Stolze Eltern, hocherfreute Doktorväter, mitfeiernde Freunde - und über allem der elitäre Glanz, den nur Spitzenleistungen verbreiten können.

Und nun die schlechte Nachricht: Am vergangenen Mittwoch bestellte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn die Chefs der großen Forschungsorganisationen nach Berlin, um ihnen mitzuteilen, die bereits zugesagten Haushaltssteigerungen von drei Prozent für das Jahr 2003 würden gestrichen. Die Wissenschaftsmanager, die noch Bulmahns kleinen Triumphschrei im Ohr hatten - in allen Ressorts werde gestrichen, nur ihr Haushalt steige um 3,7 Prozent -, sie waren entgeistert. Die Zuwachsrate war vor der Sommerpause von Bund und Ländern beschlossen worden. Der Bund machte sich damals sogar für eine Steigerung von vier Prozent stark und lenkte nur aus Rücksicht auf die klammen Länder ein.

Wieder keine Nobelpreisträger!

Edelgard Bulmahn, der "Aktivposten" im Kabinett Schröder mit dem ewigen Mantra "Bildung und Forschung behalten Priorität", kam ihnen plötzlich wie eine Einäugige unter Blinden vor. Nur ein naiver Laie hätte auf die Frage kommen können: Warum wird nicht einmal die Forschung unter Regie der einzelnen Ministerien angepackt? Im Vergleich mit Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG), den Organisationen der Grundlagenforschung, wird für diese Ressortforschung ein Vielfaches ausgegeben, ohne dass jemand deren Wert beurteilen könnte. Evaluiert wurden die Forschungsinstitute der Ressorts noch nie.

Die Präsidenten stoppten umgehend ihre Haushaltsplanungen für 2003 und fingen an, den Schaden zu kalkulieren. Falls es bei der Nullrunde bleibt - die Länder haben sich noch nicht geäußert -, hätte die Max-Planck-Gesellschaft Mindereinnahmen von 28 Millionen Euro. "Wir müssen strukturell konsolidieren", sagt MPG-Chef Peter Gruss. Das heißt, es müssen 20 Abteilungen (oder entsprechende Institute) geschlossen werden. Eine Abteilung hat im Schnitt um die 40 Mitarbeiter. Hochgerechnet würden 800 Mitarbeiter verloren gehen. Der Haushalt der MPG beläuft sich auf 1,2 Milliarden Euro, wovon der Bund eine knappe halbe Milliarde zahlt - ungefähr so viel wie die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität jährlich kostet.

Für die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist der Schaden größer, denn an ihr hängen die Hochschulen, die seit Jahren an chronischer "Unterfinanzierung" leiden und deren Forschung, soweit sie nicht schon ausgewandert ist, von der DFG lebt. Würde der Beschluss umgesetzt, wäre die DFG 2003 um 43 Millionen ärmer. "Betroffen wären in erster Linie", sagt Präsident Ernst-Ludwig Winnacker, "bis zu 2000 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, deren Diplom- und Doktorarbeiten dann nicht mehr finanzierbar wären." Achtzig Prozent des DFG-Haushalts werden in Personalmittel gesteckt. Der Pflege des wissenschaftlichen Nachwuchses gilt Winnackers besondere Aufmerksamkeit. Im internationalen Wettbewerb der Wissenschaftler werden die Deutschen zu wenig wahr genommen. Wenn die Bild-Zeitung kommt und vorwurfsvoll fragt, warum wieder kein Deutscher unter den Nobelpreisträgern war, ist Winnackers Standardantwort: "Ohne ausreichende internationale Vernetzung und ohne genügend Geld gibt es in der Wissenschaft - genau wie im Sport - keine Goldmedaillen."