Herbert Euler klingt gut gelaunt, was natürlich nicht wundert, weil der Sprecher von Hapag-Lloyd Großes zu verkünden hat: Am 3. Dezember startet Hapag-Lloyd Express, eine neue Billigfluglinie, und schon drei Wochen bevor das erste Flugzeug überhaupt abhebt, gibt es bereits 75000 Buchungen. "Wir hatten gerade mal mit 40000 gerechnet", sagt Euler. "In einem Monat."

Vier Flugzeuge schickt die Tochter des hannoverschen Ferienanbieters TUI vom Heimatflughafen Köln/Bonn aus in den Himmel, leuchtend gelb bemalt, umzogen von einem Band schwarz-weißer Quadrate. Die Maschinen sollen aussehen wie die Taxis in New York. Und auch die Flüge sollen nicht mehr kosten als eine Taxifahrt, verspricht die Werbung: Für 19,99 Euro geht es nach Berlin, Hamburg, London, Mailand, Venedig, Neapel oder Pisa.

Das klingt verlockend, aber nur ein geringer Teil der Tickets wird wirklich als Superschnäppchen verkauft. Bei Hapag-Lloyd Express gilt das Angebot von 19,99 Euro nur, wenn im Internet gebucht wird; im Reisebüro kommen noch einmal 7,50 Euro hinzu. Außerdem werden lediglich zehn Tickets pro Flug zum Tiefstpreis von 19,99 Euro verkauft. Der Rest wird teurer. "Wir gehen aber davon aus", sagt Euler, "dass 20 Prozent unserer Kunden mit einem Preis von 25 Euro davonkommen." Wer in der vergangenen Woche im Internet einen Flug von Köln/Bonn nach Berlin für den 3. Dezember buchen wollte, musste bereits 38,99 Euro hinblättern. Wohlgemerkt – nur für den Hinflug.

Der Billigmarkt hat seine eigenen Regeln. Und seine eigenen, neuen Vertriebswege. Günstig wird es nur, wenn man auf Web-Seiten wie TravelJungle.de oder FlyLoco.de klickt. TravelJungle.de listet alle Billigfluganbieter zum besseren Vergleich auf; FlyLoco.de liefert zum Billigflieger gleich noch das passende Billighotel. Will man also wirklich preiswert fliegen, heißt das: Ständig im Internet nach den Preisen der Billigflieger suchen und Wochen vorher buchen. Vor allem aber heißt es, pünktlich am Flughafen zu sein, denn 30 Minuten vor Abflug wird der Check-in-Schalter gnadenlos geschlossen. Und man muss notgedrungen von einem Provinzflughafen starten, in Lübeck, Hahn oder Augsburg, weil die Billig-Airlines große Flughäfen gar nicht erst anfliegen.

Trotz allem müssen die Flugzeuge rappelvoll sein. Marktführer Easyjet bestellte gerade 120 neue Airbus-Maschinen. Ryanair meldet eine Auslastung von fast 90 Prozent, für das erste Halbjahr einen Gewinn von 151 Millionen Euro und verschenkt im Dezember und Januar 150000 Tickets. Das Jahr lief bisher gut, denn bis September wurden mehr als acht Millionen Passagiere transportiert.

Die Euphorie auf dem Billigflugmarkt ist dementsprechend groß. Noch. Tummelten sich Anfang des vergangenen Jahres mit Ryanair, Buzz, Germania und Go nur vier Fluggesellschaften im so genannten Low-Cost-Segment, sind es heute, mit dem Neueinsteiger Hapag-Lloyd Express, schon elf. Ganz langsam wird der Markt eng. Selbst Lufthansa hat auf die neue Konkurrenz reagiert und ihr Preissystem geändert. Außerdem schickt sie gemeinsam mit Eurowings den Billiganbieter Germanwings ins Rennen, um auf Strecken mitzuhalten, die auch Low-Cost-Anbieter Deutsche BA fliegt. "In der Tat ist Germanwings auf unseren Strecken der größte Konkurrent", sagt Antje Urban von der Deutschen BA. Im Oktober, als Germanwings auf den Markt drängte, hat die Deutsche BA kurzerhand Freiflüge verschenkt. Dem Einstieg von Hapag-Lloyd Express sieht man jetzt gelassen entgegen. "Dass Hapag-Lloyd in den Low-Cost-Sektor einsteigt, liegt ohnehin nur daran, dass sie auf die Flaute bei ihren Pauschalreisen reagieren müssen", sagt Urban.

Billigflieger werden sich am Markt durchsetzen, da sind sich Experten einig. Viele Neugründungen werden allerdings nicht lange überleben, weil das Angebot im Moment stärker wächst als die Nachfrage. "Nach dem Boom folgt die Konsolidierungsphase", sagt Luftfahrtexperte Wilhelm Pompl von der Fachhochschule Heilbronn. "Und zwar schon bald, wenn die Billigflieger sich nicht nur gegenseitig Konkurrenz machen, sondern auch noch mit den Linien- und Ferienfliegern im Wettbewerb sind." Die idealen Low-Cost-Strecken seien begrenzt.