Die Autorin hat sicher Recht, dass viele Einrichtungen "bildungsfreie Räume" sind und dass die Ausbildung der Erzieherinnen besser sein könnte. Ist aber eine bessere Qualität wirklich nur mit Abiturienten zu erreichen? Ich leite seit Jahren einen Kindergarten und erlebe viele engagierte Kolleginnen - die meisten (mich eingeschlossen) ohne Abitur.

Hängen nicht auch Arbeitsbedingungen und Qualität zusammen? Nur ein paar Beispiele für unsere Arbeitssituation: Gruppenstärken von 25 oder mehr Kindern, davon im Schnitt 6 bis 10 Kinder mit Defiziten (Tendenz steigend), in unserer Einrichtung 18 verschiedene Nationen, von 75 Familien circa 25 Prozent sozial schwache Familien, unsere Einrichtung ist maximal 22 Tage im Jahr geschlossen, wir bekommen keine Vertretung bei Urlaub, Krankheit

eine Schwangerschaftsvertretung wird erst eingestellt, wenn die sechs Wochen vor und die acht Wochen nach der Geburt um sind - ich könnte diese Liste noch lange fortsetzen. Ich glaube nicht, dass ich mit Abitur dieser Situation besser gewachsen wäre.

Was die Autorin gar nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass circa die Hälfte eines Kindergartenteams aus Kinderpflegerinnen besteht. Sie haben meist nur Hauptschulabschluss, und die Ausbildung ist wirklich katastrophal. In der Praxis aber müssen sie die gleiche Arbeit leisten, denn sonst würden die Einrichtungen tatsächlich nur noch Aufbewahranstalten werden. Bezahlt wird eine Kinderpflegerin im Übrigen noch schlechter als die Erzieherin.

Gitta Preis Herzogenaurach