Ein Gespenst geht um in einem entlegenen Kaff des südlichen Galizien. Es zeigt sich vorzugsweise am hellen Mittag, in der Kneipe, sodass die Kellnerin erschrickt. Nicht jeder kann es sehen. Der Polizist spricht mit ihm, aber der Pfarrer bemerkt es nicht einmal.

Wir sind in der Welt hinter der südostpolnischen Kleinstadt Dukla, deren Topografie, Mythen, Alltag und Wetterlagen Andrzej Stasiuk in einem vor zwei Jahren auf Deutsch erschienenen Buch (Die Welt hinter Dukla) geschildert hat.

Aber im Gegensatz zur eher poetisch reflektierenden und verträumten Prosa dieses eigentlich späteren Werks geht es in dem schon sieben Jahre alten Gespensterbuch mit den Instrumenten des Realismus zur Sache, eher alkoholisch als bukolisch, mit Messern und Schraubenschlüsseln, Traktoren, Pornovideos und leuchtfarbenen Jogginganzügen. Auf ähnlichem Terrain hat Stasiuk die erste Anerkennung erfahren.

Eine heruntergekommene LPG, in der das Wartehäuschen für den Bus nach Dukla bereits die Schwelle zur weiten Welt darstellt, ist diesmal die Bühne, auf der ländliche Dramen aufgeführt werden, für die sich eigentlich keiner interessiert. Sie spielen vor einer verschlunzten, beinahe sinistren Szenerie, "ein paar Gebäude - schwere Barken, räudig, ärmlich, gefangen auf der Reise ins Nirgendwo, erstarrt auf einer gigantischen weißen Welle.

Bretterbuden für Holz, Schuppen für Heu. Die gewaschenen Kleider auf der Leine schlagen krachend gegeneinander, wie Stücke von gefrorenem Fleisch. Der Wind trägt Wolken von Schnee über den Pass."

Das Leben der Dorfhuren

Die handelnden Personen sind Bauern, Waldarbeiter und vielfache Mütter, der Schmied, die Dorfhure, die Alte und noch ein paar andere, die man im Laufe des Buches immer wieder in der Kneipe oder sonntags in der Kirche trifft: der Polizist, der Pfarrer, der Dieb und der Traktorist.