Nicht nur das neue Tarifsystem, das kurz vor Weihnachten in Kraft tritt, könnte Kunden der Deutschen Bundesbahn demnächst das Zugfahren versauern. Gut möglich, dass sie schon im Januar auf kalten Kleinstadtbahnhöfen vergeblich auf ihre Verbindung warten - dann nämlich, wenn Manfred Schell, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, seine Drohung wahr macht: Streik!

"Alle Signale" stünden auf Ausstand bei der Bahn-Tochter DB Regio, sagt der Vorsitzende der GDL. Der Grund ist ein Tarifvertrag, mit dem Bahn-Chef Hartmut Mehdorn Lokomotiv- und Zugführer im Regionalverkehr dazu zwingen will, künftig länger zu arbeiten. 18 zusätzliche Schichten, 132 Stunden mehr im Jahr, sagt Schell, das alles zum weiterhin gleichen Lohn, der für einen Lokführer im Durchschnitt bei netto gerade mal 1400 Euro liegt. "Nicht mit uns", meint Schell.

Pikant ist an der Angelegenheit, dass Schells Kollegen bei den Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA dem Tarifwerk bereits zugestimmt haben.

Sie folgen dem Argument Mehdorns, dass die Bahn im Regionalverkehr gegenüber der dort immer stärkeren privaten Konkurrenz nur wettbewerbsfähig ist, wenn die Personalkosten sinken. Gedankenlos. Dumm. Leichtfertig - so kritisiert Transnet-Chef Norbert Hansen das Handeln der GDL.

Schell lässt die Kritik kalt. Der Chef der mit 35 000 Mitgliedern kleinen, aber schon 1867 gegründeten und damit ältesten Gewerkschaft Deutschlands weiß, dass auf sein Geheiß hin sehr viele Räder still stehen können. Von den insgesamt 27 800 Lokführern der Republik sind 22 900 bei der GDL organisiert.

6500 davon arbeiten in den Diensten der DB Regio. Wenn die streiken, läuft kaum noch etwas. Ein Ausstand lasse sich nur vermeiden, wenn "der Bahn-Vorstand und die anderen Gewerkschaften eine Kehrtwende machen", sagt Schell. Für die wäre das allerdings ein arger Gesichtsverlust. Harte Zeiten also für den Bahn-Sanierer Hartmut Mehdorn - und womöglich auch für seine Kunden.