Eine Neumondscheinsonate im ortlosen Licht, das durch die Milchverglasung diffundiert, ist Becketts Endspiel in Barbara Freys delikater Inszenierung am Münchner Residenztheater. Unlängst ein Skandal, ist es längst ein Klassiker mit seinem blinden Alten im Rollsessel, dem auf Pfiff gehorsamen Diener und den Eltern in ihren zwei Mülltonnen. Und draußen das Nichts, die gestorbene Natur unterm toten Himmel. "Es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende", sagt Clov, der Diener. Andrerseits: "Nichts ist komischer als das Unglück", sagt die Alte in der Tonne und mümmelt rattenhaft am Zwieback (rührend und ulkig in einem: Heide von Strombeck). Endzeit und Gelächter gehören bei Beckett zusammen (wie bei Tschechow). Das sardonische Lachen reißt sich Thomas Holtzmann ins malmende Maul, seine lange Gestalt verspannt sich koboldisch im Sitz, und die Schlaksarme flattern lüstern in den Raum: Die Welt ist ein Schwindel, das freut ihn. Den Diener spielt Götz Schubert wie einen friederizianischen Soldaten: hart, eckig, stramm auf die Gelegenheit zum Desertieren lauernd. Alles ganz klassisch, würdig dem Text dienend

somit heute nicht mehr zum Staunen. Eindrucksvoll aber immerhin der japanisch-spartanische Milchglaskubus mit der dunklen Küchenschachtel in der Mitte (Bühne: Bettina Meyer).