Nicht ohne Melancholie sieht man den neuesten James Bond beim Wellenreiten vor der Küste Nordkoreas. Die Wogen sind gewaltig, die Geschicklichkeit ist groß, aber etwas Lächerliches ist auch dabei. Früher haben wir den Agenten 007 beim Tennis, beim Golf und beim Reiten gesehen

überall, bei jedem Sport, zu dem man sich auch einen Club denken kann, hat er eine gute Figur gemacht, aber als Beachboy ist er noch nie hervorgetreten.

40 Jahre James Bond. 40 Jahre leben und sterben lassen. 40 Jahre tadellose Manieren und tadellose Feuerkraft, technische Überlegenheit im Kalten Krieg und überlegene Eleganz beim Souper. Was seit 40 Jahren schon nicht mehr zusammengeht, James Bond hat es immer zusammengebracht, ein Ritter in unritterlicher Zeit. Und heute? Heute muss er ein unschön schwankendes Surfbrett im Laufschritt über den Strand tragen.

Die Feuerkraft des Gentleman

Etwas ist geschehen. Etwas ist aufgegeben oder vergessen worden, schleichend, über die letzten Jahre hinweg. Bond-Filme in ihrer klassischen Zeit trugen eine nostalgische Utopie in die Gegenwart. Die neuesten Markenartikel, die neuesten Feindbilder des Westens wurden zwar zuverlässig propagiert, aber stets kombiniert mit einer altmodischen Contenance in allen Lebenslagen.

Diese Haltung beugte sich vor keinem Zeitgeist, sie kniete vor keinem Surfbrett, sie zwängte sich wohl manchmal in einen Strandbuggy, aber sie tat es mit einer ironischen Geste der Verzweiflung ob der unelegant gewinkelten Knie. Niemals kannte Bond den dumpfen Ernst vor dem Sport der Saison.

In den besten Filmen lebten das Zeitgemäße und das Unzeitgemäße eine Mesalliance, die niemand besser verkörperte als Roger Moore, der sich weigerte, in seiner Rolle aufzugehen. Von Roger Moore lappte immer ein beträchtlicher Teil über den Rand der Filmfigur, er war, was sonst als schlimmer Fehler gilt, immer auch als Privatmann auf der Leinwand anwesend.