In seiner Rezension zu Mela Hartwigs jüngst erschienenen Romanen behauptet Hans-Peter Kunisch, ich hätte im Nachwort des 2001 erstveröffentlichten Romans Bin ich ein überflüssiger Mensch? Mela Hartwig als die Tochter des Zionisten Theodor Herzl vorgestellt und damit auf unredliche Weise deren Bekanntheitsgrad gefördert. Die Wahrheit, so Kunisch sinngemäß weiter, dass nämlich die Autorin zwar die Tochter eines Theodor Herzl, aber leider "des falschen" (!) sei, verdanke man der "Aufklärung" Daniela Strigls, deren Text eine fleißige Internet-Recherche auf Kunischs Bildschirm befördert hatte.

Leider belegt Kunisch seine Anschuldigung nicht mit konkreten Textpassagen - das wäre allerdings auch gar nicht möglich. Der einzige Satz meines Nachwortes nämlich, in dem ein Theodor Herzl erwähnt wird, ist der folgende: Mela Hartwig, so schrieb ich, war "die Tochter des Soziologen und kulturpolitischen Schriftstellers Theodor Herzl, der 1895 vom Judentum zum Katholizismus konvertierte und im Zuge dessen den gemeinsamen Familiennamen auf Hartwig ändern ließ".

Auch jene, die nur den Namen des berühmten Theodor Herzl kennen, wissen in aller Regel, dass er ein sehr aktiver Zionist war. Anzunehmen, ausgerechnet dieser sei zum Katholizismus konvertiert und habe ab 1895 Hartwig geheißen, ohne dass dies heute bekannt sei, ist schlechterdings absurd. Vielmehr müssten diese Hinweise eigentlich die nahe liegende Vermutung, im kreativen Milieu Wiens um 1900 habe es Platz für wenigstens zwei journalistisch tätige Theodor Herzls gegeben, hinreichend bestätigen.

Dr. Bettina Fraisl, Graz