Sie sind erfolgreich und qualifiziert, haben feste Jobs und gute Gehälter. Vermutlich haben Sie auch noch schöne Gärten, nette Kinder, gute Haut und jede Menge andere Gemeinsamkeiten mit der Musterfamilie aus der Margarine-Reklame im Fernsehen. Jedenfalls haben Sie am 22. September Gerhard Schröder gewählt, gelten als Neue Mitte und sind nun angeblich frustriert.

Der Abgabenschock der vergangenen Wochen habe vor allem diese wichtige Zielgruppe verprellt, heißt es innerhalb und außerhalb der SPD. Schuld daran sind angeblich die Gewerkschaften, die stärker denn je dem Parlament in die Gesetzgebung hineinreden.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der Streit um die einseitige Schröpfung der Besserverdienenden ist eine Phantomdebatte. Zwar stimmt es, dass die höheren Steuern und Sozialabgaben gut verdienende Berufstätige treffen. Der Bund der Steuerzahler hat vorgerechnet, dass sich ein Single mit monatlichem Bruttoeinkommen von 5100 Euro auf eine monatliche Mehrbelastung von 158,81 Euro einstellen muss.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Erstens bleiben all die gut verdienenden Freiberufler, die überhaupt nicht in die Sozialkassen einzahlen, weitgehend außen vor. Zweitens wirkt sich der Anstieg der Renten- und Krankenkassenbeiträge bei Normalverdienern ähnlich aus wie bei den Wohlhabenden - für die Rente sind statt 19,1 Prozent nun die umstrittenen 19,5 Prozent der Einkommen fällig. Zwar steigt auch die so genannte Bemessungsgrenze für Renten- und Arbeitslosenversicherung, und das trifft die obere Mittelschicht der Arbeitnehmer besonders. Aber sie bildet eben auch den Deckel: Niemand zahlt mehr als 472 Euro Rentenbeitrag pro Monat - auch nicht der Millionär.

Drittens sind neben den Gutverdienenden vor allem die Arbeitslosen von den Sparmaßnahmen betroffen - die Arbeitslosen von heute und diejenigen, die in den kommenden Monaten ihre Jobs erst noch verlieren werden. Weitere Kürzungen dürften spätestens dann folgen, wenn die Regierung wie verabredet Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenlegen wird. Schon im Jahr 2003 will die Bundesregierung 1,31 Milliarden Euro allein an der Arbeitslosenhilfe sparen.

Würde man diesen Betrag auf Deutschlands 1,52 Millionen Bezieher umlegen, käme man pro Kopf auf etwa 86 Euro im Jahr.

Ganz korrekt ist diese Rechnung nicht. In Zukunft bekommen nicht alle Bezieher von Arbeitslosenhilfe weniger Geld, es ändert sich vielmehr die Anrechnung von privatem Vermögen sowie Einkommen der Angehörigen. Wer also eine gut verdienende Ehefrau hat oder ein dickes Aktienpaket, bekommt weniger. Der Freibetrag für Verheiratete sinkt in der Spitze von 67 600 Euro auf 26 000 Euro, für Alleinstehende schrumpft er von maximal 33 800 auf 13 000 Euro. Im Einzelfall ist die Berechnung kompliziert, denn auch das Lebensalter entscheidet über die genaue Höhe der Unterstützung.