Ein Demo-Tape reist per Zufall von Seattle nach San Diego. Dort wird es einem Surfer namens Eddie Vedder in die Hand gedrückt, der schiebt es in einen Kassettenspieler und ist begeistert. Während Vedder fieberhaft Texte schreibt und zu den Instrumentalstücken des Demo-Tapes einsingt, ahnen die Musiker im fernen Seattle noch nicht, was kommen wird. Doch als die besungene Kassette Tage später beim Rhythmus-Gitarristen Stone Gossard im Briefkasten liegt, ist es an ihm, begeistert zu sein. Gossard, Bassist Jeff Ament und Lead-Gitarrist Mike McCready laden den Sänger mit der düster-charismatischen Stimme nach Seattle ein. Die Band "Pearl Jam" ist geboren. 1991 erscheint das fantastische erste Album "Ten". Im Herbst 2002 veröffentlicht "Pearl Jam" das siebtes Studio-Album, "Riot Act". Dazwischen ist viel passiert. "Pearl Jam" sind neben Nirvana zum Inbegriff des Grunge geworden. Die Band hat mit ihrer Mischung aus Gitarrenriff-lastigem Stadionrock der siebziger und wü tendem Post-Punk der achtziger Jahre einen ganz eigenen Stil entwickelt. Jedes ihrer Alben brachte Richtungswechsel: Mal rockig, mal schlank und nervös, mal experimentell - nicht jeder Fan blieb der Band über die Jahre treu, und das war auch gut so, denn "Pearl Jam" wollte es nie allen recht machen.Jedenfalls nicht bis zur aktuellen Platte. Mit "Riot Act" habe die Band ihr "kommerziellstes Album" vorgelegt, verkündet stolz die Presse-Info. Kommerziell in dem Sinne, dass man sich neuen Hörerschichten öffnen wolle. 15 Songs gibt es da zu hören, so viele wie seit "Vitalogy" nicht mehr. Für jeden scheint etwas dabei zu sein. Allein, das gereicht "Riot Act" nicht unbedingt zum Vorteil: Zu viele halbgare Songs finden sich auf dem Album, das einfach keinen runden Eindruck macht. Der Opener "Can't keep" baut Spannung auf, spielt mit der Ungewissheit des Hörers, die dann aber vom mehr als geradlinigem Rock des zweiten Songs ("Save you") überrollt wird.Von diesen unoriginellen Momenten gibt es auf der neuen Platte leider einige: "Ghost", "Get right" und der unnötige Einminüter "Arc", auf dem Eddie Vedders Stimme und ein "afrikanischer" Choral anscheinend interessante Wechselwirkungen erzielen sollen. Dazu mit "Bushleaguer" ein Song, der zwar eminent politisch ist ("He's not a leader, he's a Texas leaguer"), der aber musikalisch nicht viel hermacht.Da bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als sich die Rosinen herauszupicken. "Love Boat Captain" ist ein Stück, das die Band zur Erinnerung an das Roskilde-Festival 2000 geschrieben hat, bei dem neun Menschen von den Massen zu Tode getrampelt wurden. Eddie Vedders Stimme hat hier wieder den Zorn der frühen Jahre. Und auch die Single-Auskopplung "I am mine" ist ungemein eingängig.An manchen Stellen wirkt das Album seltsam konstruiert. Bei "Thumbing my way" begibt sich Vedder auf einen melancholischen, von Rhythmus-Gitarre und Schlagzeug müde begleiteten Spaziergang. Diese selbstauferlegte, künstlich wirkende Bescheidenheit findet man später auf "All or none" wieder. Durch solche Songs gewinnt Pearl Jam neue Hörerschichten und verliert dabei alte."Riot Act" ist im November 2002 bei Epic/Sony Music International erschienen. Sony hat ein Forum für alternative Musik eingerichtet, das mit der Veröffentlichung des neuen "Pearl Jam"-Albums online gegangen ist Die Homepage von Sony Music