Blick ich nach Deutschland, sehe ich die Rückkehr zum Normalmaß. Nach der Euphorie mit noch nicht dagewesenen Profiten sind die Zeiten jetzt ebenso hart wie trostlos. Mindereinnahmen erzeugen Minderausgaben. Das ist schmerzlich im Sozialstaat. Und trifft zuerst die Schwächsten. Konzerne reagieren auf Schieflagen mit brutaleren Streichkonzerten, allenthalben. Auch Regierungen tun das. Rot-Grün erzeugt nicht die anhaltende Schwäche, es verwaltet die fatalen Folgen. Auch die Erbfolgen einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung. Keine Regierung zuvor hat in so kurzer Zeit so grundlegende Reformen auf den Weg gebracht. Das finde ich sympathisch und eher ermutigend.

Blick ich nach Deutschland, sehe ich Vertreter einer hysterisch gewordenen Medienlandschaft, die düstere Bilder und Stimmungen erzeugen. Die Sehnsucht nach dem Übervater, der alles ins Lot bringen wird. Nachweislich besser als die Regierenden können die Vertreter der Medien nur eines: mosern, meckern, fabulieren! Wem soll das helfen? Den Deutschen und ihrer Wirtschaft nicht.

Bernd Josef Bartolome Paris/Frankreich

Der Autor geht davon aus, dass Reformen möglich seien, wenn es einen mutigen Kanzler gäbe, der die Wahrheit sagt und darüber hinaus auch noch Konzepte hat. Ich halte dies für zu kurz gegriffen. Nehmen wir an, wir hätten einen mutigen Kanzler, dieser müsste sich im Dickicht des Lobbyismus, Kameralismus und Förderalismus politische Mehrheiten für sein Reformprojekt beschaffen.

Wie die Realität zeigt, ein unmögliches Unterfangen. Der Kanzler ist zwangsläufig eine Weide im Wind der durchorganisierten Teilinteressen in unserem Lande, wenn er an der Macht bleiben will. Die Einflussnahme der jeweiligen Verbände von Unternehmen und Gewerkschaften auf die politischen Lager ist stark genug, um einschneidende Reformen im Bundestag zu verhindern.

Unser Steuersystem ist aus meiner Sicht deswegen kompliziert, weil es dem Lobbyismus immer wieder gelingt, Ausnahmen oder Vergünstigungen zu bewirken.

Wir brauchen also eine nachhaltige Veränderung bestehender Entscheidungs- und Machtstrukturen.