Vermutlich währt die Empörung über Roland Kochs Judenstern-Vergleich noch nicht einmal bis zum Weihnachtsfest, geschweige denn bis zur Wiesbadener Wahl am 2. Februar. Bei den sich häufenden Nazi- und Naziumfeld-Analogien ist eher mit Imitations- als Abschreckungseffekten zu rechnen. Nach den angeblichen "jüdischen Vermächtnissen" ihrer vormals kriminellen Spendenpraxis steht Koch als Führer der hessischen CDU sogar für eine parteiinterne Wiederholungstäterschaft.

Schon im Bundestagswahlkampf mochte man sich fragen, wer wohl am Ende den bizarrsten Nazivergleich zustande bringen würde. Es hat kein Ende. Die Kochsche Entgleisung ereignete sich, kaum dass der bedrängte Kanzler gerade zwischen Brüning und Churchill geschichtsanalogisch hin- und hergeschoben worden war. Danach sollte er den Brüning von 31 vermeiden und den Churchill von 40 geben, das heißt endlich eine "Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede" vor dem Bundestag halten. Zur Erinnerung: Winston Churchill hatte in seiner ersten Parlamentsrede als Regierungschef vom 13. Mai 1940 erklärt, seine Politik gehe darin auf, Krieg zu führen und um jeden Preis zu siegen - "gegen eine monströse Tyrannei, wie sie nie übertroffen worden ist im finsteren Katalog der Verbrechen der Menschheit".