Wenn schon auf die Wache, dann auch richtig. Am 24. Juli, um sechs Uhr morgens, erschienen fünf bewaffnete Polizeibeamte in der Upper-East-Side-Wohnung von John Rigas. Sie verlasen kurz die Anklage - Plünderung von mehr als einer Milliarde Dollar aus dem Familienunternehmen Adelphia -, und den Rest hielten Fernsehkameras und eine Heerschar von Reportern fest. Die Handschellen, das öffentliche Abführen, die Fahrt zum Gericht. Dabei wäre der 78-jährige Rigas wohl kaum davongelaufen. Und seine zwei Söhne wohl auch nicht, die an diesem Morgen gleich mit verhaftet wurden.

Ihr Anwalt hatte angeboten, dass die drei ohne viel Aufhebens selbst zur Wache kommen. Die Antwort der Behörden: Kein Interesse.

Perp walk heißt so etwas auf Amerikanisch, das Schaulaufen in Anzug, Krawatte und Handschellen, die öffentliche Demütigung der gefallenen Masters of the Universe. Nach der Welle von Pleiten und Skandalen gehört die Show zu den Aufräumarbeiten. Rechtsexperten beschweren sich über Vorverurteilung ("Vor der Jury sehen Sie damit gleich schuldig aus"), die Behörden tun unschuldig ("Was können wir dafür, wenn die Presse sich dafür interessiert?"), und ganz zufällig sickerte sogar die Meinung des Präsidenten aus dem Weißen Haus heraus. "Zufrieden" soll sich George W. Bush gezeigt haben, als Rigas-in-Handschellen kurz nach seiner Festnahme die Abendnachrichten und Titelseiten dominierte.

Die Plünderung Amerikas

Mag sein, dass die Reformen der amerikanischen Wirtschaftsgesetze nicht so recht vorankommen und dass der Ausbau der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC auf sich warten lässt. Doch bei den Symbolen gibt man sich Mühe: Bösewichte gehören hinter Gitter. Die "Plünderung Amerikas durch raffgierige Chefmanager", wie es der New Yorker-Kolumnist James Surowiecki ausdrückt, wird gründlich gerächt. Und heiße Kandidaten für lange Gefängnisstrafen gibt es im amerikanischen Big Business genug. Kenneth Lay zum Beispiel, der ehemalige Chef des Energiehändlers Enron, der Ende 2001 eine Rekordpleite hinlegte. Oder sein übereifriger Finanzchef Andrew Fastow, der gemeinsam mit anderen Enron-Spitzenmanagern jahrelang trickreiche Finanzbetrügereien aufgelegt hatte und dem Konzern Millionen entzog.

Noch besser: Dennis Kozlowski, der nimmersatte Exchef des Gemischtkonzerns Tyco. Er soll beim Kauf von Gemälden mehr als eine Million Dollar Steuern hinterzogen und sein Unternehmen um 600 Millionen Dollar erleichtert haben.

Bei Kozlowski ging es, anders als bei Enron, ganz ohne komplizierte Finanztricks zu. "Koz" war beim Klauen so frech und einfallslos, "als habe er einfach Geldsäcke aus der Tür getragen", schrieb das Magazin Fortune. Zu anderen war er ebenso großzügig: Gerade erst stellte sich der ehemalige Tyco-Manager Frank Walsh den Behörden und gab zu, zweifelhafte Gelder von seinem Boss kassiert zu haben. Walsh hatte das Unternehmen eines Freundes zum Kauf empfohlen. Für Tyco endete die Sache mit sieben Milliarden Dollar Verlusten, aber Walsh bekam 20 Millionen "Finderlohn".