die zeit: Herr Rummenigge, ein Cognac hat Ihre Karriere befördert.

Karl-Heinz Rummenigge: Es waren zwei. Mein damaliger Trainer Dettmar Cramer hat sie mir gegeben, 1976, anderthalb Stunden vor dem Europapokalfinale gegen St. Etienne. Ich war 20, es war mein erstes großes Endspiel, und ich war hypernervös. Wir mussten gewinnen, fürs Image, aber auch aus finanziellen Gründen. Für die Beckenbauers, Müllers und Maiers war das Alltag, für mich nicht.

zeit: Abgesehen davon, dass er Ihnen etwas einflößte - wie hat Dettmar Cramer Sie beeinflusst?

Rummenigge: Er hat mich getrieben. In einer normalen Woche hatten die Spieler damals sechs bis sieben Trainingseinheiten. Ich hatte zwölf. Im Fußball ist es wichtig, Talent zu haben, aber mit Talent allein kommt man nicht vorwärts.

Sie brauchen diese Siegermentalität. Und die hat Cramer in mir geweckt. Das ging so weit, dass er, wenn er neben mir im Auto saß, an der roten Ampel sagte: "Und du fährst als Erster los." Dann stehst du da, und dein Fuß zuckt auf dem Gaspedal.

zeit: Sie sind dann schnell zum Führungsspieler gereift, waren vier Jahre Kapitän der Nationalmannschaft. Beim FC Bayern aber standen sie Anfang der achtziger Jahre im Schatten von Paul Breitner. Verträgt ein Team nur einen Mann an der Spitze?

Rummenigge: Eine klare Hierarchie ist für die Mannschaft das Beste. Dann brennen die jungen Spieler darauf, nach oben zu kommen, dann entwickeln sie den Ehrgeiz, der ein funktionierendes Team auszeichnet. Der FC Bayern war in den vergangenen 30 Jahren vor allem deshalb so erfolgreich, weil wir fast immer eine klare Hierarchie in der Mannschaft hatten.