Ein erstes Highlight war in den fünfziger Jahren der Fernsehapparat selbst, ein Ding, das eigenartig roch, arg schneite und vor allem als Lichtquelle auffiel. Die Bilder wollten noch nicht so ganz überzeugen, aber flackern, flimmern und flirren taten sie: Der erste Fernseher war eine Wunderlampe. Das reichte. Programme kamen später. Immerhin dauerte es vom Start 1952 an drei Jahre, bis die Westdeutschen es auf 100 000 Fernsehteilnehmer gebracht hatten, und noch mal zwei Jahre, bis die Million voll war.

Und was schaute diese Million? Den Blauen Bock mit Otto Höpfner, den Internationalen Frühschoppen mit Werner Höfer, Wer gegen Wen? mit Hans-Joachim Kulenkampff (Kuli) und die Tagesschau mit Wetterkarte. Das waren Highlights nicht als Ausnahmen, sondern als Aufforderungen zum Immer-wieder-Gucken, als verlässliche Abholer des Publikums und insofern Programmpfeiler. Erst in den sechziger Jahren - es sind jetzt zwei Millionen Zuschauer, und das ZDF ist (1963) an den Start gegangen - kommt es zu den großen Fernsehereignissen, den "Straßenfegern", bei denen es Insider, die verraten, wer der Mörder ist, zu Volksfeinden bringen können. So geschehen mit Wolfgang Neuss, der die Spannung beim Durbridge-Krimi Das Halstuch durch eine Anzeige im Berliner Abend fies abwürgte.

Und was war mit dem Forellenhof und der Familie Schölermann? Highlights wiederum nicht im Sinne einer einsamen Leistung, sondern der Gewöhnung erzeugenden Wiederkehr, wie sie für das Fernsehen typisch ist. Hierher gehören auch die Mainzelmännchen, putzige Begleiter einer ganzen Fernsehgeneration und wahrscheinlich für das Vorurteil verantwortlich, Ferngucken sei eine irgendwie infantile Betätigung.

Die Mondlandung, ein Fake?

Denn Television kann ja auch Ernst machen. Sie war und ist viel mehr als die Kiste, aus der nur Unterhaltung strömt. Als Chronisten haben sich die Fernsehmacher mit der coverage der Mondlandung (1969) die höheren Weihen der Zeitzeugenschaft erobert

das ging so weiter über die Maueröffnung bis zum 11. September 2001. In allen Fällen war das Fernsehen als Berichterstatter so potent, dass man es überschätzte. Zum einen kam der Verdacht auf, die Landung auf dem Mond sei eine bloße Studioinszenierung gewesen, zum anderen wurde der Vorwurf laut, die Fernsehsender hätten sich zu Erfüllungsgehilfen der 11.-September-Terroristen gemacht, weil sie deren Mediengeilheit bedienten.

Die Manipulationsthese (Fernsehen schafft jene Wirklichkeit, über die es eigentlich nur berichten sollte) ist weder zu widerlegen noch zu bestätigen, und die journalistischen Highlights müssen sich meistens an ihr messen lassen.