Das Schloss zur Kfz-Werkstatt ist in Sekundenschnelle geknackt. Der Blick des geschulten Diebes streift über die Arbeitstische, und das gesuchte Gerät ist schnell ausfindig gemacht. Fünf Minuten später sitzt der Einbrecher im Wagen des wartenden Komplizen, niemand hat etwas bemerkt. Abend für Abend spielt sich irgendwo in Deutschland ein beinahe identischer Einbruch ab - und immer ist das gleiche Gut im Visier der Einbrecher: ein Kfz-Diagnosegerät.

Jenes handliche Wunderding, ohne das selbst der erfahrenste Mechaniker keine Chance mehr hat, einen Fehler in der hochgezüchteten Fahrzeugelektronik moderner Automodelle aufzuspüren.

Fahndungsspezialisten sind erst vor kurzem auf die neue Art von organisierter Kriminalität aufmerksam geworden. Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) verspricht nähere Aufschlüsse. Doch beim verabredeten Termin rutscht der Experte im LKA unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er will das zugesagte Interview zurückziehen. Eine renommierte Autofirma hätte Druck gemacht, nicht noch weitere Details aus den laufenden Ermittlungen preiszugeben. Und die Kripo sei doch angesichts der zahlreichen Kfz-Diebstähle auf die gute Zusammenarbeit mit denen angewiesen. Die Recherchen der Presse hätten für eine "gewisse Unruhe gesorgt". Der aufgeschreckte Autohersteller, dessen Werkstätten besonders häufig heimgesucht wurden, befürchtet offenbar eine Imageschädigung.

Am Ende redet der Beamte im Landeskriminalamt dann doch, wobei er allerdings über einzelne betroffene Autohersteller nichts sagen möchte. Zudem gibt es erste Erfolge zu melden: "Wir haben in Bayern und Baden-Württemberg einige polnische Staatsangehörige verhaften können, die aus mehreren Autowerkstätten solche Kfz-Diagnosegeräte gestohlen haben." Im Schnitt kostet ein solches Gerät, das aussieht wie ein Laptop, rund 10 000 Euro. Es zeichne sich ab, dass die bestens geschulten Diebe gezielt losgeschickt würden, um die Elektronikprüfgeräte ganz bestimmter Hersteller zu besorgen.

Schon 173 Geräte sind gestohlen

59-mal haben die organisierten Kfz-Diagnosegerätediebe in diesem Jahr allein schon in Bayern zugeschlagen, 173-mal in Deutschland insgesamt. Am stärksten waren Bayern und Baden-Württemberg betroffen. Der bislang registrierte Schaden beträgt mindestens 1,5 Millionen Euro, Tendenz "ständig steigend".

Als sich dieser Tage Fachleute des bayerischen, thüringischen und des württembergischen Landeskriminalamtes in München trafen, waren auch Ermittler aus Österreich und der Schweiz dabei, denn auch dort besorgen sich die Banden Diagnosegeräte für ihren besonderen Service.