Sie haben, vor allem die Beamten, besonders sichere Arbeitsplätze. Aber sie verdienen, gerade in den unteren Lohn- und Gehaltsgruppen, nicht besonders viel: die insgesamt rund 4,8 Millionen Bediensteten des deutschen Staates, für die ver.di mindestens drei Prozent mehr Geld erstreiten will.

Vergangene Woche scheiterten die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, deren Ergebnis die Beamten und ihre Standesvertreter traditionell mehr oder minder übernehmen, am niedrigen Angebot der Arbeitgeber. Jetzt warten die Kontrahenten auf den Spruch des Schlichters. Und ver.di bereitet einen großen Streik vor: "eine Politik der tausend Nadelstiche", wie Gewerkschaftsführer Frank Bsirske droht.

Dass es zum Ausstand kommt, ist zwar keine ausgemachte Sache. "Allerdings braucht Bsirske die zwei vor dem Komma", sagt ein Kenner der Materie - so wie die IG Metall im späten Frühjahr eine Drei benötigte, die sie dann nur mithilfe eines Streiks erhielt. Schlichter zwischen den Tarifparteien wird der ehemalige Bremer Bürgermeister Hans Koschnik sein, der in seiner Zeit als EU-Beauftragter in der von Kroaten und Muslimen bewohnten bosnischen Stadt Mostar viel Erfahrung im Ausgleich unterschiedlicher Interessen hat. Möglich also, dass er damit auch die Vermittlung zwischen ver.di und den öffentlichen Arbeitgebern schafft.

Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Zuletzt offerierten Bund, Länder und Gemeinden zweistufige Lohn- und Gehaltssteigerungen von 0,9 und 1,2 Prozent über die nächsten 20 Monate. Zugleich allerdings soll die Arbeitszeit der öffentlichen Angestellten und Arbeiter im Westen der Republik um 30 Minuten auf wöchentlich 39 Stunden steigen. Für die Angleichung der bislang noch niedrigeren Entgelte im Osten wurde kein konkreter Fahrplan angeboten. Damit verabschiedeten sich die Arbeitgeber zwar von ihrer starren Forderung nach einer Nullrunde, die einzig dazu taugte, die Gewerkschaft und ihre Mitglieder noch mehr zu provozieren. Insgesamt summiert sich ihr Angebot jedoch zu einem Reallohnverlust. Kurzum: Der Abstand zu dem, was ver.di fordert, ist groß und der Konflikt ohne Gesichtsverlust oder Streik kaum zu lösen.

Klar ist: Der Staat hat kein Geld. Dass daran auch eine von Bsirske und anderen deutschen Gewerkschaftsführern immer wieder gerügte Steuerpolitik Schuld trägt, die den Anteil der Gewinn- und Kapitaleinkünfte am gesamten Steueraufkommen der Republik halbiert hat, ist nicht von der Hand zu weisen.

"Aber so berechtigt die Kritik (Bsirskes) in Teilen ist, so wenig hilft sie in der aktuellen Tarifrunde", urteilt der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt.

Selbst, wenn die Politik den klassenkämpferischen Tönen der Gewerkschaften folgen und Reichen und Unternehmen sofort mehr Geld abknöpfen würde, hätte das keine unmittelbare Wirkung. Im Jahr 2003 blieben die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden erst mal weiter leer.