Auch deutsche Professoren versuchen seit einiger Zeit, angetrieben von der Sorge um mangelnden Nachwuchs, ihre Wissenschaft unters Volk zu bringen.

Als Erste wagten sich die Physiker mithilfe einer PR-Agentur im "Jahr der Physik" (2000) auf Marktplätze und in Kaufhäuser - und staunten über den Zuspruch. Nun wird, nach den Themenjahren zu den Lebens- und Geowissenschaften, 2003 das "Jahr der Chemie" eingeläutet. Die von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn initiierte Agentur Wissenschaft im Dialog will dazu wieder einen Wissenschaftssommer mit Vorträgen, Ausstellungen und Workshops veranstalten.

Die "National Science Week" in Großbritannien diente den Deutschen als Vorbild. Jedes Jahr beteiligen sich rund 1500 Forscher an Aktionen im ganzen Land, koordiniert von der British Association for the Advancement of Science.

Doch die Briten sind schon einen Schritt weiter als die Deutschen. "Früher dachten wir, wenn man den Menschen die Wissenschaft erklärt, verstehen und unterstützen sie die Forschung", sagt Fiona Barbagallo, Koordinatorin der Science Week. Public understanding of science lautete die Formel, mit der sich Politiker und Wissenschaftler Akzeptanz verschaffen wollten. Vor zwei Jahren aber erklärte die britische Regierung die Initiative mit dem unseligen Akronym Pus (auf Deutsch: Eiter) für gescheitert. Nun laute das Ziel nicht mehr public understanding of science, sagt Barbagallo, sondern scientists understanding the public. Zu Deutsch: Statt der Öffentlichkeit mehr Verständnis für die Wissenschaft einzuimpfen, müssten die Forscher lernen, ihr Publikum zu verstehen. Denn die Menschen verbinden mit Wissenschaft nicht nur die Faszination an der Erkenntnis, sondern auch die Angst vor genmanipuliertem Essen, radioaktivem Müll oder geklonten Schafen.

Das neue Zauberwort hieß daher "Dialog". Die Wissenschaftler wollten sich den Fragen des Publikums stellen, Interessen oder Ängste aufgreifen, statt nur zu belehren. Doch auch das habe nicht recht funktioniert, gesteht Fiona Barbagallo. Schnell war in den Dialogrunden die alte Rollenverteilung wiederhergestellt: Laien fragen, Experten antworten - Monolog statt Dialog.

Außerdem seien immer die "üblichen Verdächtigen" zu den Veranstaltungen gekommen, Menschen, die sich ohnehin schon für Wissenschaft interessieren.

Während in Deutschland noch immer das Mantra "Wissenschaft im Dialog" beschworen wird, lautet in England der jüngste Trend in Sachen Wissenschaftskommunikation Xchange: Debatten und Performances zu kontroversen Themen wie Schönheitsoperationen, Organhandel, Sterbehilfe. "Wir wollen die Leute mit der ,Nicht-für-mich-Einstellung' erreichen", sagt Deborah Scopes vom Science-Museum in London. Dazu werden Betroffene, Künstler und Wissenschaftler zum Gespräch geladen. Vor kurzem etwa diskutierten Feuerwehrleute, Psychologen und Bauingenieure über Massenpanik und Fluchtwege in öffentlichen Gebäuden. Die Zuschauer können mitreden oder per Knopfdruck anonym auf Fragen antworten. Das Londoner Science-Museum baut für die Veranstaltungen bereits ein eigenes Zentrum, das im nächsten Jahr eröffnet werden soll.