Das war kein gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft. Trügerisch die Hoffnung, 2002 werde sich die Konjunktur berappeln und Deutschland nach zwei mageren Jahren endlich wieder ein passables Wachstum bescheren. Statt Aufschwung Stillstand. Ein minimales Plus von 0,2 Prozent beim BIP, dem Bruttoinlandsprodukt - das Land ist haarscharf an der Stagnation vorbeigeschrammt. Und wohin man am Ende des Jahres auch schaut: kein spürbarer Rückenwind. "Kraftlose Erholung" nennt das die Westdeutsche Landesbank wohlwollend.

Dabei hatte alles so schön angefangen. Im ersten Halbjahr 2002 grassierte der Optimismus. Im April sagte die Dresdner Bank der deutschen Wirtschaft ein Wachstum von 1,3 Prozent voraus (und gar 2,3 Prozent für 2003). Die Wirtschaftsforschungsinstitute verkündeten: "In diesem Frühjahr beginnt der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland." Er ist da, der "neue Aufschwung", jubelte dann im Juni das Kieler Institut für Weltwirtschaft, und die Bundesregierung behauptete forsch, dass er "sich in der zweiten Jahreshälfte verstärkt".

Warum schaffte die Wirtschaft die Wende nicht?

Von wegen! Im Juli blies Klaus Zimmermann, der Präsident des DIW Berlin, zur Kehrtwende: Trotz der "Beschwörungstänze amtlicher Medizinmänner" brenne da lediglich ein Strohfeuer. Auf einmal ließen die Prognostiker ihren Zweifeln freien Lauf und reduzierten ihre Voraussagen. Im August drehte sich der Wind dann auf breiter Front. Hans-Werner Sinn, Chef des ifo-Instituts in München, am Ende des Sommers: "Einen neuerlichen Abschwung in Deutschland muss man jetzt als Szenario ins Auge fassen."

Warum bloß schaffte die deutsche Wirtschaft wieder einmal die Kehrtwende nicht? In ökonomischen Kategorien lässt sich das so erklären:

Erstens: Die Bürger sparten, statt zu konsumieren. "Kümmerlich" nannte der Sachverständigenrat die Entwicklung des privaten Verbrauchs. Dabei ist er die wichtigste Komponente des BIP. Aber wenn die Deutschen Angst vor der Zukunft haben, vor Arbeitslosigkeit, unsicheren Renten oder gar kriegerischen Auseinandersetzungen, dann halten sie ihr Geld zusammen. Die Folge: 2002 gingen vom privaten Verbrauch keine Impulse für das Wachstum aus.

Zweitens: Die Ausrüstungsinvestitionen, wichtige Schlüsselgröße für die Konjunktur, schrumpfen seit Ende 2000 von Quartal zu Quartal. Von einem "steilen Abwärtstrend" sprachen die Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten.