Schröder macht Schule: Gegen George W. Bush Wahlkampf führen heißt siegen lehren! Was hierzulande klappte, funkionierte nun auch in Südkorea, bei Washingtons engstem Verbündeten in Asien.

Vordergründig betrachtet, hat eine Welle des Antiamerikanismus Roh Moo Hyun ins Blaue Haus von Seoul getragen. Schaut man genauer hin, dann emanzipiert sich mit der Wahl des neuen Präsidenten eine aufstrebende Nation allmählich von ihrem übermächtigen Protektor. Was der Schutzmacht eigentlich gefallen sollte, denn um die Demokratie zu verteidigen, steht sie ja im Land. Aber die neue Roh-Kost schmeckt ihr nicht. Während aus Sicht Washingtons der Diktatur in Pjöngjang mit ihrem gefährlichen Atomprogramm nur durch politischen Druck und Sanktionen beizukommen ist, will Roh die "Sonnenscheinpolitik" des bisherigen Präsidenten Kim Dae Jung fortsetzen. Die aber hält Bush für gefährlich naiv - und hoffte deshalb auf den Sieg der konservativen Opposition.

Daraus ist nichts geworden: In Südkorea siegte die Jugend über das Alter, das neue Selbstbewusstsein über die Furcht vor dem unberechenbaren Norden. Dass aber die Südkoreaner, die vor gerade fünfzehn Jahren die Herrschaft der Generale abgeschüttelt haben, heute über eine so klare Alternative frei und ohne Furcht abstimmen können, ist der eigentliche Triumph dieser Wahl.

Undankbarkeit ist der Welt Lohn, und die Demokratie ist eine anstrengende Regierungsform. Wer wüsste das besser als diejenigen, die sie schon etwas länger praktizieren als Deutsche und Koreaner?