die zeit: 25. Dezember 1952, das deutsche Fernsehen geht auf Sendung.

Erinnern Sie sich?

Peter Rühmkorf: Damals war ich Student und wohnte zur Untermiete. Meine Wirtsleute hatten einen progressiven Schwiegersohn, einen dänischen Comiczeichner. Der forderte beim Eintritt in die Familie als Erstes: Hier gehört ein Fernseher rein. Der Apparat wurde, was ganz früher die Spinnstube oder der Kamin war: eine familiäre Thingstätte. Nicht wie heute, wo sich jeder einsam einen abguckt.

zeit: War wie immer damals alles besser?

Rühmkorf: Das Fernsehen hatte eine geselligkeitsspendende Funktion mit all dem Gegnicker und Gegacker. Heute ist es ein Isolationsinstrument, das die Gesellschaft in familiäre Monaden zerhäckselt.

zeit: Was lief damals?

Rühmkorf: Tagesschau hab ich immer geguckt. Ich weiß aber nicht mal mehr die Reihe der Nachrichtensprecher. Wer kam nach Irene Koss? War das schon Köpcke?