Hören wir doch auf, uns über den "Teuro" (das Unwort des Jahres übrigens) zu beschweren. Nicht uns Deutsche hat die Umstellung vor einem Jahr im (D-)Mark getroffen,sondern unsere Mit-Europäer. Unser Gerede von Abzocke und Betrug ist bloßer Wahn, verglichen mit dem Schicksal, das die Euro-Schwemme über unsere südlichen Währungsgenossen brachte.

Weder Italiener noch Griechen haben sich bis heute an die Erscheinungsform der Münze gewöhnt. Deswegen fordern sie jetzt den 1-Euro-Schein. Man erinnere sich: Früher war da der italienische Marktschreier, der heftig mit 1000-Lire-Fächern über Brokkoli und Strauchtomaten fuchtelte. Ja, Geld waren die Lappen nebenbei auch, aber zuvörderst doch rhetorische Hilfsmittel, knisternder Lockstoff, flatterndes Flehen. Münzen dagegen? Die sind allenfalls für Snobs. Noch weniger ernst nahm man das Hartgeld in Griechenland. Für achtbare Hellenen waren Drachmen-Münzen schlichtweg unwürdig. Das Kleinzeug übergab man entweder dem Mülleimer oder seinen Kindern. Heute wird mancher Südländer bleich vor Schreck bei dem Gedanken, dass all das Münzwechselgeld, auf das er an der Supermarktkasse so routiniert pfeift, inzwischen richtig Kohle ist.

Helfen wir den Italiern und Griechen. Aber auch uns. Was Europa wirklich braucht, sind nicht 1-Euro-Scheine, sondern eine angemessene Antwort auf all die Soundsoviel-Euro-99-Cent-Verlockungen. Druckt ihn endlich, den 99-Cent-Schein!