Magier und Feldherren, Heilige und Helden, Konzernführer und Dirigenten - womit schlagen sie die Massen in ihren Bann? Mit Charisma, lautet häufig die Antwort.

Eine Gnadengabe, meinen die einen. Seit der Antike gelten Menschen als charismatisch, die prophetisch reden, mit außerordentlichen Kräften begabt oder gar gottgesandt sind. Für Max Weber war Charisma der "nichtsozialisierbare Rest" des Menschen. Viele Geisteswissenschaftler folgen seiner Ansicht. "Charisma entzieht sich der Machbarkeit", sagt Winfried Gebhard, Soziologe an der Universität Koblenz.

Charisma ist lernbar, glauben die anderen. "Jahrelang hat man den Menschen eingeredet, dass nur einigen Auserwählten Charisma gegeben sei. Damit wollte man sie leichter regierbar machen", sagt der Psychologe und Charisma-Trainer Nikolaus B. Enkelmann.

Und die Wahrheit? Klar scheint so viel: Wer Charisma hat, "gibt seinen Leuten eine neue, mutige Weltsicht", sagt Dieter Gebert, Professor für Organisation und Führungslehre an der TU Berlin. Ein charismatischer Mensch ist vertrauenerweckend, dynamisch und tendenziell risikofreudig. Er vermittelt seiner Gefolgschaft das Gefühl, dass er ihr viel zutraut, aber auch viel erwartet. Und: Er kann mit seinen Worten fesseln.

Bei der Rhetorik setzen daher auch viele Managementseminare an.

Unentbehrlich: aufrechte Haltung, gerader Blick, klangvolle Stimme. Manager können sich antrainieren, à la Charles de Gaulle kollektive Stärken zu betonen oder ein großes Zukunftsszenario zu entwerfen. Sie lernen, in Bildern und Analogien zu reden, ihre rechte Gehirnhälfte stärker zu nutzen. Das ist Übungssache.

"Man kann lernen, auf andere Leute zu wirken. Aber aus soziologischer und psychologischer Sicht ist Charisma in seiner ganzen Bandbreite nicht antrainierbar", sagt Soziologe Gebhard. Werden Charismatiker doch geboren?