Eine hübsche Pointe ist das zum Schluss dieses Jahres, das ja auch wieder ein Jahr der Parteispendenaffären war (Müll, Möllemann, Millionen): Der Wuppertaler Oberbürgermeister Hans Kremendahl, einst eine Ikone im Kampf gegen die Korruption, dann, so sah es aus, selbst ein Verstrickter, hat wieder an seinem Schreibtisch im Rathaus Platz genommen - einen Tag nachdem ihn das Wuppertaler Landgericht vom Vorwurf der Vorteilsannahme freigesprochen hatte. Verurteilt wurde dagegen der mitangeklagte Bauunternehmer Uwe Clees wegen Vorteilsgewährung. Clees hatte den OB-Wahlkampf Kremendahls vor drei Jahren mit 500 000 Mark gesponsort, wofür er sich - dies sah das Gericht als erwiesen an - die Unterstützung des SPD-Politikers bei einer Reihe von Projekten versprach.

Ein kurioses Urteil. Schließlich hat der Bauunternehmer einen Vorteil gewährt, sprich Geld gezahlt. Die Wuppertaler SPD hat das Geld auch dankend genommen, Kremendahls Wahlkampf damit finanziert und später tatkräftig bei der Verschleierung der Summe mitgeholfen. Nur den Vorteil, der damit verbunden war, den hat scheinbar niemand in Empfang genommen - die SPD nicht, der OB nicht und auch sonst keiner in der bergischen Stadt. Korruption ohne Korrumpierte?

Ganz wohl scheinen sich die Wuppertaler Richter selbst nicht zu fühlen, jedenfalls empfahlen sie von sich aus eine Überprüfung ihres Urteils durch den Bundesgerichtshof. Der sitzt in Leipzig, und wer weiß: Vielleicht taucht der Vorteil, der in Wuppertal verschwand, demnächst dort wieder auf.